Das richtige Maß: Ab wann wird Genuss zum Problem?

Immer wieder wenden sich Förderer mit Fragen zu den Themen Konsum und Sucht an die Sozialarbeiter und Therapeuten der Stiftungen BSW und EWH. Was sind die Ursachen von Sucht? Ab wann…

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Das richtige Maß: Ab wann wird Genuss zum Problem?

2018-04-18

Immer wieder wenden sich Förderer mit Fragen zu den Themen Konsum und Sucht an die Sozialarbeiter und Therapeuten der Stiftungen BSW und EWH. Was sind die Ursachen von Sucht? Ab wann wird Genuss zum Problem? Julika Mielke ist in der Sozialberatung des BSW tätig und möchte diese und mehr Fragen in ihrer Fachartikel-Reihe beantworten.

Haben Sie auch schon mal gedacht: „Nach diesem harten Tag freue ich mich auf ein Glas Wein!“ oder „Ich trinke jeden Tag ein Bier, da ist doch nichts dabei!“? Wenn Sie diese Einstellung zum Alkoholkonsum als unbedenklich ansehen, sind Sie damit in der deutschen Bevölkerung nicht allein.
Aber ist dieses Konsumverhalten ohne Risiko? Welche Mengen Alkohol sind für den Menschen unbedenklich? Bei welchen Warnzeichen sollte man lieber auf die Bremse treten und ab wann gilt man eigentlich als suchtkrank?

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Situation in Deutschland

In Deutschland konsumieren fast 10 Millionen Menschen Alkohol im gesundheitlich schädlichen Bereich. Und das oftmals ohne es zu wissen. Durchschnittlich trinkt jeder Bundesbürger etwa 134 Liter an alkoholischen Getränken im Jahr. Das entspricht der Füllung einer großen Badewanne. Circa 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholkrank. Dagegen ist das Bewusstsein für gesundheitliche und soziale Folgen des Konsums nur sehr gering. Auch aufgrund der gesellschaftlichen Verbreitung des Suchtmittels erkennen suchtgefährdete Menschen das Problem zum Teil vergleichsweise spät. Das eigene Problembewusstsein wird oftmals auch durch unser soziales Umfeld gehemmt, wenn dort ein ähnliches Trinkmuster vorherrscht.
Dabei steht Alkoholkonsum in direkter Verbindung zu mehr als 200 Erkrankungen, zum Beispiel zu Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen! Alle Organe können durch das Nervengift Alkohol geschädigt werden. Oftmals wird bei körperlichen Symptomen gar nicht an einen Zusammenhang mit dem eigenen Konsumverhalten gedacht. Der bundesdeutsche volkswirtschaftliche Schaden beträgt ungefähr 40 Milliarden Euro im Jahr und kommt vor allem durch Krankheiten und Unfälle zustande. Weiterhin sind 74.000 Todesfälle auf unmittelbare Folgen des Alkoholkonsums zurückzuführen. So ist und bleibt in Deutschland der Alkohol neben Tabak die Problemdroge Nummer Eins.

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Alkohol: Droge mit Suchtpotenzial

Sucht- oder Genussmittel, insbesondere Alkohol, brauchen wir nicht zum Überleben. Im Gegenteil: Unser Körper versucht das Zellgift schnellstmöglich wieder loszuwerden um funktionsfähig zu bleiben. Dennoch macht die oftmals als anregend erlebte Wirkung den Konsum von psychoaktiven Substanzen sehr attraktiv. Aber auch kulturelle Traditionen, Riten und die allgemeine Akzeptanz in der Bevölkerung führen bisweilen zu einem wenig hinterfragten Konsumverhalten. Die möglichen Folgen werden dabei ausgeblendet. Alkoholische Getränke sind legale und für Erwachsene leicht und vergleichsweise günstig zu erwerbende Produkte. Sie gehören wie selbstverständlich für manche Menschen zu bestimmten Gelegenheiten oder sogar zum Alltag dazu.
Das Verführerische am Alkoholkonsum ist unter anderem, dass er eine große und rasche Wirkung auf unser Belohnungssystem im Gehirn ausübt. Dabei kann er verschiedenste Wirkrichtungen bedienen. Je nach gewünschter und erwarteter Wirkung fühlen wir uns durch die Einnahme entweder angeregt, ausgelassen oder in Partylaune. Aber auch Sorgen, Belastungen und Probleme können kurzzeitig in einer Scheinwelt ausgeblendet werden. Oder wir kommen besser zur Ruhe, in die Entspannung und in den Schlaf. Und das alles ohne dafür selbst etwas tun zu müssen – außer zu trinken. Ohne uns selbst anzustrengen, erleben wir ein berauschendes Hochgefühl aufgrund eines künstlichen Dopamin-Ausstoßes.
Es ist also kaum verwunderlich, dass Menschen nach einer positiven Konsumerfahrung diesen vermeintlich bequemen und leichten Weg öfter gehen möchten. Man muss nicht erst die eigenen Fähigkeiten zur Stressbewältigung oder Konfliktlösestrategien benutzen und trainieren, damit man sich wohler oder besser fühlt. Hier liegt allerdings auch die Gefahr für die Entwicklung eines Alkoholproblems, da diese Prozesse unbewusst ablaufen können, sich so an unserem Verstand vorbeischleichen und damit schwer kritisch zu hinterfragen sind.
Ein ernsthaftes Problem liegt vor, wenn der Weg der Selbstregulation über den Konsum allmählich und unbemerkt zur dauerhaften Strategie wird. Wenn man früher noch beim Sport den Stress losgeworden ist, sich durch einen Spaziergang erholt hat oder ein Gespräch mit Freunden Erleichterung brachte, gehen nun diese eigenen Bewältigungsstrategien zunehmend verloren und werden schlimmstenfalls gänzlich vergessen. Gleichzeitig verstärkt sich die Bindung an das Suchtmittel. Wenn keine anderen Möglichkeiten zur Bewältigung von Unwohlsein, Stress und Konflikten mehr existieren, außer zu konsumieren, ist die Grenze zur Suchterkrankung meist schon überschritten.
Suchtmittel regelmäßig als Selbstbelohnung einzusetzen, birgt die Gefahr, auf Dauer eine seelische Abhängigkeit zu entwickeln. Die Grenzen zwischen maßvollem, problematischem und letztlich abhängigem Trinkverhalten verlaufen fließend. Auf dem Weg in ein Konsumproblem steht nirgendwo ein Schild mit der Aufschrift: „Noch ein Bier mehr, noch einen Meter weiter und Sie überschreiten die Grenze zur Abhängigkeit!“ Deshalb lassen Sie uns verschiedene Trinkmuster und die Phasen einer Suchtentwicklung genauer betrachten:

Genuss

Genussvoller Konsum ist ein Weg, verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen. Doch was versteht man eigentlich unter Genuss? Wenn man die Wirkung eines Suchtmittels genießt, konsumiert man in der Regel langsam und ganz bewusst mit allen Sinnen, nicht automatisiert, nicht schnell oder nebenbei. Man hat genügend Zeit und Ruhe und hört sprichwörtlich auf, wenn es am schönsten ist. Es handelt sich also eher um geringe Mengen, die man selten zu sich nimmt. Wirklicher Genuss will nicht eine bestimmte Rauschwirkung erzielen, sondern eine angenehme Situation, einen schönen Anlass unterstreichen oder noch etwas angenehmer machen. Genießen kann man nur, wenn der Konsum des Suchtmittels etwas Besonderes im gegenwärtigen Moment ist, also nichts, was man regelmäßig, sondern in größeren Abständen zu sich nimmt. Der Genießer schreibt dem Konsum keine Funktion zu. Er konsumiert nicht, um etwas zu kompensieren. Er benutzt die Substanz nicht damit es ihm besser geht, damit er kurzfristig negative Gefühle verdrängen kann, sein Selbstbewusstsein steigern kann, besser abschalten, einschlafen, feiern gehen kann, ect.

Riskanter Gebrauch und schädlicher Konsum

Sobald sich eine Regelmäßigkeit im Konsumverhalten einstellt, ist es nichts mehr Besonderes. Dann gehört das Alkoholtrinken wie selbstverständlich zum Alltag und man hinterfragt sich immer weniger, warum man zum Beispiel zum Abendbrot Bier oder Wein trinkt und nicht Apfelsaft. Eine riskante Gewohnheit ist eingetreten.
Das bedeutet nicht, dass man bereits abhängig von Alkohol sein muss. Hier verschwimmt allerdings schnell die Grenze zu einem schädlichen Konsumverhalten. Davon spricht man, wenn sich die Häufigkeit und Regelmäßigkeit des Konsums erhöht. Im schädlichen Gebrauch setzt man eine Substanz bewusst oder unbewusst gezielt ein, um einen bestimmten psychischen Zustand zu erreichen. Dafür wird entweder oft bis zum Rauschzustand konsumiert oder sehr regelmäßig. Das Suchtmittel bekommt eine Funktion im Leben eines Menschen und dient als Zuflucht vor negativen Gefühlen oder einem allgemeinen körperlichen oder seelischen Unwohlsein, das z.B. durch Konflikte, Stresserleben oder unverarbeitete Erlebnisse ausgelöst wird. Anders formuliert: Das Suchtmittel wird als Seelentröster missbraucht.
In der schädlichen Phase steigert sich zwangsläufig auch die Trinkmenge. Das passiert, weil im Körper Prozesse ausgelöst werden, um die eindringenden Giftstoffe effektiver zu verarbeiten. Die Leber, in der 95% des Alkohols abgebaut wird, versucht zunächst immer besser und schneller die Gifte wieder los zu werden, die den Körper schädigen. Es handelt sich dabei um ein automatisch ablaufendes Programm des Körpers im Kampf gegen die Vergiftung. Gleichzeitig verträgt der Konsument stetig mehr Alkohol. Es besteht die Gefahr, dann mehr zu konsumieren, da die angenehme Wirkung nicht mehr so leicht zu spüren ist, die man erreichen will. Ein „trainierter“ oder „gestandener“ Trinker zu sein, ist tatsächlich ein beunruhigendes Zeichen für bereits eingetretene schädliche körperliche Veränderungen durch das Zellgift.
Ein schädlicher Gebrauch zeichnet sich auch dadurch aus, dass man beginnt, in sozial unangemessenen Situation zu konsumieren, wie z.B. bei der Arbeit oder als Straßenverkehrsteilnehmer. Zudem ergeben sich die ersten Anzeichen für negative Folgen im seelischen, körperlichen oder sozialen Bereich. Dies kann zum Beispiel beginnen mit vermehrten „Katern“, Unkonzentriertheit, Abnahme der physischen Leistungsfähigkeit, Stimmungsschwankungen oder der Zunahme von Konflikten mit Mitmenschen. Manchmal erhalten Betroffene in dieser Phase die ersten Rückmeldungen von anderen, dass mit ihrem Trinkverhalten etwas nicht stimmt. Diese Warnsignale gilt es, ernst zu nehmen.

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Abhängigkeit

Als abhängig von Alkohol gilt ein Mensch, wenn er dauerhaft auf den Konsum angewiesen ist, um psychisches oder physisches Unwohlsein zu verhindern. Man konsumiert, obwohl es einem selbst oder anderen Menschen eindeutige, mittlerweile auch bleibende Schäden zufügt. Menge oder Häufigkeit des Trinkens ist bei der Diagnosestellung weniger entscheidend, da die Auswirkungen bei den Betroffenen trotz des gleichen Krankheitsbildes sehr unterschiedlich ausfallen können. Dem landläufigen Bild eines „verwahrlosten Säufers“ entsprechen tatsächlich die wenigsten Menschen mit Alkoholproblemen. Alkoholabhängigkeit kann in jeder Familie und in jeder Berufsgruppe vorkommen und wird auch nicht selten verheimlicht und versteckt. Da Betroffene das Konsumproblem häufig sehr lange bagatellisieren bzw. nicht akzeptieren, können sie erforderliche Hilfe bisweilen nur schwer annehmen.
Von der Diagnose „Substanzmittelabhängigkeit“ spricht man prinzipiell dann, wenn über den Zeitraum von mindestens einem Jahr drei der folgenden sechs Kriterien zutreffen:
• ein oft starker Drang, Wunsch oder sogar Zwang zu konsumieren (Verlangen),
• die verminderte Fähigkeit die Menge oder den Zeitpunkt des Konsums zu kontrollieren (Kontrollverlust),
• körperliche Entzugserscheinungen beim Absetzen des Suchtmittels,
• das Vertragen hoher Mengen des Suchtstoffes (Toleranzerwerb),
• die Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums sowie
• der anhaltende Konsum trotz deutlich negativer Konsequenzen.
Die Alkoholsucht ist eine chronische Erkrankung, die nichts mit Willens- oder Charakterschwäche zu tun hat. Den Konsum willentlich zu steuern, ist nicht mehr möglich. Betroffene können sich zwischen Abstinenz oder Konsum entscheiden, nicht mehr aber den Konsum auf ein risikoarmes Maß reduzieren.

Empfehlung

Tatsächlich kann man nie ohne Risiko Alkohol konsumieren. Alkohol ist und bleibt ein Zellgift. Jeder Konsum kann Auswirkungen auf den Körper und das Gehirn haben, und somit eine Gefahr darstellen. In Deutschland herrschen eine sehr liberale Alkoholpolitik und eine vergleichsweise schwache Regulierung der Verfügbarkeit von Alkohol.
Daher sei jedem Konsumenten empfohlen sich selbst kritisch zu hinterfragen – unabhängig von Vergleichen mit anderen! Wie viel und zu welchen Gelegenheiten trinke ich Alkohol? Zu welchen Anlässen gehört Alkohol wie selbstverständlich dazu und warum?
Aufgrund einer gerade veröffentlichten internationalen Studie besteht derzeit eine Diskussion darüber, ob in Deutschland bisher geltende Richtwerte für einen risikoarmen Alkoholkonsum überarbeitet werden sollten. Denn die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass bereits ab einem Konsum von mehr als 100g reinem Alkohol pro Woche das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck oder Schlaganfälle signifikant erhöht ist und sich die Lebenszeit nachweislich insgesamt verkürzt. Dieser Effekt trete umgerechnet beim Konsum von ungefähr 2,5 Litern Bier oder einem Liter Wein in der Woche auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergänzt, dass bei einem täglichen Konsum von 40g Reinalkohol bei Männern und 20g bei Frauen die Wahrscheinlichkeit für schwere Leberschädigungen erhöht ist. 20g Alkohol entspricht annähernd einem halben Liter Bier oder einem viertel Liter Wein. Die WHO empfiehlt für ein gesundheitlich nicht bedenkliches Konsumverhalten eine maximale Trinkmenge von 7g Alkohol pro Tag nicht zu überschreiten. Dies entspricht in etwa einem Glas Bier.
Den unhinterfragten, regelmäßigen Griff zum Glas als harmlos anzusehen, ist demnach kein gesundheitsförderndes Verhalten. Stattdessen kann es sinnvoll sein den eigenen Suchtmittelkonsum bewusst zu betrachten. Denn auch wenn es verschiedene Risikofaktoren gibt, kann letztlich jeder Mensch kurz- oder langfristig ein Alkoholproblem entwickeln. Daher empfehle ich, dass das Trinken von Alkohol etwas Besonderes bleibt. Wer sich für einen seltenen und geringen Alkoholkonsum in angenehmen Situationen entscheidet und dabei bewusst und genussvoll trinkt, braucht eine Suchtentwicklung oder andere Gefährdungen kaum zu fürchten.

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Wenn der Alltag zur Hürde wird

Fachartikel von Dipl.-Psych. Lutz Ulbrich (Psychologisch-Therapeutischer Fachdienst, BSW-Servicebüro Berlin) Wenn es um die körperliche Gesundheit geht, ist es ganz normal, sich…

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Wenn der Alltag zur Hürde wird

2018-02-08

Fachartikel von Dipl.-Psych. Lutz Ulbrich (Psychologisch-Therapeutischer Fachdienst, BSW-Servicebüro Berlin)

Wenn es um die körperliche Gesundheit geht, ist es ganz normal, sich Hilfe von Fachleuten zu holen – wer zum Beispiel Fieber hat, geht zum Arzt. Ganz anders sieht es bei seelischen Problemen aus. Viele, die unter Sorgen, Trauer oder Stress leiden, tun sich mit dem Schritt zum Therapeuten schwer. Lutz Ulbrich ist Psychologischer Psychotherapeut und für das BSW-Servicebüro Berlin tätig. Er weiß, dass gerade Bahnbeschäftigte aufgrund der besonderen Anforderungen ihrer Berufe zu einer Risikogruppe gehören – Schichtarbeit, wechselnde Einsatzorte und hohe körperliche Belastung können zu Erschöpfungszuständen, somatischen und psychosomatischen Beschwerden führen. Mit seinem Fachartikel möchte er allen Betroffenen Mut machen, sich bei psychischen Problemen professionelle Unterstützung zu holen.

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Dipl.-Psych. Lutz Ulbrich

Wenn die Sorgen überhand nehmen
Fast jeder kennt zumindest einen Menschen aus seinem persönlichen Umfeld, der schon einmal mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass die Mehrheit aller Menschen im Laufe ihres Lebens eine psychische Störung entwickelt. Laut der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ ergab eine große Langzeitstudie, bei der 997 Menschen einer Stadt vom Kindes- bis ins mittlere Erwachsenenalter begleitet wurden, dass nur 17 Prozent der Teilnehmer zu keinem Zeitpunkt Anzeichen einer psychischen Erkrankung zeigten.
Beispiel Depression: In Deutschland leiden schätzungsweise 5 Prozent der Bevölkerung, also etwa 4 Millionen Menschen, aktuell an dieser Krankheit. Depressive Episoden kommen in jedem Lebensalter vor, die meisten Erkrankungen treten zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr ein, viele Patienten erkranken aber auch schon früher. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Depression zu entwickeln, beträgt zwischen 7 und 18 Prozent. Wird einmal die richtige Diagnose gestellt, ist die Lage allerdings alles andere als aussichtslos. In den letzten Jahrzehnten hat sich hinsichtlich der Therapie einiges getan und mehr als 80 Prozent der Erkrankten wird dauerhaft und erfolgreich geholfen.
Obwohl solche Lebensphasen also weit verbreitet sind und die Aussichten auf Heilung gut, gilt der Gang zum Therapeuten immer noch als ungewöhnlich oder sogar beschämend. Dabei brauchen Menschen, deren psychische Belastung ihr Privatleben, ihre Leistungen in der Schule oder bei der Arbeit beeinträchtigt, jede Unterstützung, die sie bekommen können.

Frühzeitig Hilfe holen
Die meisten psychischen Störungen sind nur von kurzer Dauer. Dennoch können ihre Auswirkungen auf die Betroffenen weitreichend sein. Ausgebildete Therapeuten finden in der Regel schnell heraus, wie schwerwiegend eine Störung ist, wo ihre Ursachen liegen und welche Wege zu einer Lösung führen können. BSW-Förderer haben dabei einen entscheidenden Vorteil: Bei den Sozialarbeitern und Therapeuten in den BSW-Servicebüros gibt es in der Regel für Termine keine langen Wartezeiten – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Anlaufstellen.
Anpassungsstörungen, Depression und Angststörungen sind die am häufigsten diagnostizierten Probleme. Sie können in aller Regel gut erkannt und behandelt werden. Folgende Anzeichen können auf eine dieser Störungen hinweisen.

Die häufigsten Erkrankungen
Die Anpassungsstörung
Im Laufe des Lebens sind Menschen immer wieder negativen, belastenden Lebensereignissen ausgesetzt. Starke Gefühle von Ärger, Trauer, Betroffenheit und Hilflosigkeit sind normale und wichtige Reaktionen, die bei der Verarbeitung dieser Ereignisse helfen. Von einer Anpassungsstörung spricht man, wenn die Reaktion auf ein belastendes Ereignis über das normale Maß hinaus andauert. Sie zeigt sich in anhaltenden negativen Veränderungen des Gemütszustandes oder auch zwischenmenschlich in Störungen des Sozialverhaltens. Im Unterschied zu depressiven Menschen können Patienten mit Anpassungsstörungen ihr Problem in der Regel genau benennen, auch wenn ihnen selbst der Zusammenhang zwischen Auslöser und störender Symptomatik nicht bewusst ist.

Die Depression
Eine anhaltende gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie vielfältige körperliche Symptome, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen, sind mögliche Anzeichen einer Depression. Häufig gehen einer Depression unspezifische Frühsymptome voraus, also Anzeichen, die auch auf verschiedene andere Erkrankungen hinweisen könnten – zum Beispiel unspezifische Kopf- oder Bauchschmerzen, ständige Müdigkeit, Energiemangel, Reizbarkeit, Angst oder eine missmutige Stimmungslage. Diese können ohne Anlass oder als Reaktion auf belastende Ereignisse auftreten und sich langsam über Wochen oder Monate zu einer depressiven Phase ausweiten. Aufgrund ihres vielfältigen Erscheinungsbildes wird eine Depression selbst von Hausärzten oft nicht erkannt. Hier ist es ratsam sich in fachtherapeutische oder fachärztliche Hände überweisen zu lassen, um eine sichere Diagnose und baldige Behandlung sicherzustellen.

Die Angststörung
Bei manchen Menschen nimmt Angst ein übersteigertes Ausmaß an – dann spricht man von einer Angsterkrankung. Eine unbehandelte Angststörung kann sich immer mehr verselbstständigen, und die Betroffenen vermeiden zunehmend Situationen, die ihre Angst auslösen. Als Folge ziehen sich die Betroffenen immer mehr aus dem Leben zurück; manchmal fördert die Störung auch den gesundheitsschädigenden Gebrauch von Alkohol oder Beruhigungsmitteln.
Man unterscheidet vier verschiedene Ausprägungen der Angststörung:

Panikstörung
Wiederkehrende schwere Angstanfälle mit heftigen körperlichen und psychischen Symptomen wie Atemnot, Zittern, Herzklopfen, Übelkeit etc. sowie Angst vor Kontrollverlust oder gar Todesangst. Länge und Häufigkeit der Anfälle können stark variieren. Häufig geht eine Panikstörung mit Platzangst (Agoraphobie) einher.

Generalisierte Angststörung
Anhaltende Sorgen oder Ängste, die viele Lebensbereiche umfassen und nicht auf bestimmte Situationen beschränkt sind. Oft machen sich die Betroffenen auch übersteigerte Sorgen über reale Bedrohungen, wie Autounfälle oder Krankheiten, die Verwandten zustoßen könnten. Generalisierte Angststörungen äußern sich durch innere Unruhe, Anspannung, Nervosität und oft auch durch Schlafstörungen.

Soziale Phobie
Extreme Form der Schüchternheit. Betroffene haben in Situationen Angst, in denen sie sich von ihren Mitmenschen kritisch betrachtet oder beobachtet fühlen, zum Beispiel wenn sie eine Rede halten, ein Gedicht aufsagen oder ein Lied vor anderen singen sollen. Auch die Angst vor Prüfungen, Streitgesprächen oder davor, Fremde anzusprechen, können Ausprägungen der sozialen Phobie sein.

Spezifische Phobie
Furcht vor Objekten oder Situationen, die in der Regel ungefährlich oder harmlos sind, wie die Furcht vor Tieren (Hunde, Katzen, Mäuse), Insekten (Wespen, Spinnen), die Höhenphobie sowie die Blut- und Verletzungsphobien (z.B. Angst vor Spritzen). Schon der Gedanke an die Angst-Objekte verursacht Angst, die von leichtem Unbehagen bis hin zur panischen Angst reichen kann. Oft wissen die Betroffenen, dass sie übertrieben reagieren, und schämen sich dafür.

Sprechen Sie uns an!

Wenn alles zu viel wird, sind wir sind wir für Sie da und helfen Ihnen, die ersten Schritte zur Besserung und Hilfe in die Wege zu leiten – egal, um welches Anliegen es sich handelt. Ob beruflich oder privat: Unsere Sozialarbeiter und Therapeuten beraten Sie gern und helfen Ihnen dabei, den für Sie geeigneten Weg zu finden.
Wenn Sie Unterstützung benötigen, dann rufen Sie unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 0600 0800 an (Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr) oder schreiben Sie eine E-Mail an: sozialberatung@bsw24.de

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„Ich muss mir nicht jeden Schuh anziehen“

Die Anforderungen im Berufsleben steigen: Ständige Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung und ein hohes Maß an Flexibilität machen Stress laut Weltgesundheitsorganisation zur größten…

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„Ich muss mir nicht jeden Schuh anziehen“

2017-11-16

Die Anforderungen im Berufsleben steigen: Ständige Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung und ein hohes Maß an Flexibilität machen Stress laut Weltgesundheitsorganisation zur größten Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts. Wenn private Krisensituationen mit dem Partner, der Familie oder den Kindern hinzukommen, kann die Belastung die eigenen Kräfte schnell übersteigen. Eine Bahnbeschäftigte, die anonym bleiben möchte, war in einer solchen Notlage und erzählt, wie sie beim Psychologisch-Therapeutischen Fachdienst des BSW Hilfe fand.

„Als ich mich vor etwa fünf Jahren von meinem Mann trennte, machte ich eine schwere Zeit durch, in der ich unter einer starken Depression litt. Ich suchte damals verzweifelt nach Unterstützung, doch einen Psychotherapeuten zu finden, war nicht einfach. Bis meine Behandlung endlich begann, vergingen ganze drei Monate. Obwohl das noch vergleichsweise schnell ging, fühlte es sich für mich an wie eine Ewigkeit. Die Therapie half mir, nach und nach wieder Tritt zu fassen, und schließlich kam ich wieder gut zurecht. Vor einiger Zeit jedoch begegnete ich meinem Exmann auf der Hochzeit unseres gemeinsamen Sohnes wieder. Dadurch brachen alte Schuldgefühle wieder hervor und ich fiel zurück in die Depression. Zur Arbeit schleppte ich mich nur noch mit Mühe und schnell kam ich mit der Situation alleine nicht mehr zurecht.

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Ein Kollege erkannte meine Lage und vertraute mir an, dass er selbst einmal in einer ähnlichen Situation war. Er hatte sich damals an das BSW gewandt und hatte mit dem Psychologisch-Therapeutischen Fachdienst der Stiftung gute Erfahrungen gemacht. Daraufhin schrieb ich eine E-Mail ans BSW und innerhalb einer Woche hatte ich einen Termin. Ganz unbürokratisch und schnell! Bei dem Therapeuten fühlte ich mich schnell in guten Händen und gewann in kurzer Zeit das nötige Vertrauen. Die Gespräche mit ihm bewirkten, dass ich meine Gefühlswelt aus einem anderen Blickwinkel betrachtete.
Gemeinsam fanden wir heraus, dass die Wurzeln meiner anhaltenden Schuldgefühle in meinen Kindheitserfahrungen liegen. Gerade wenn es Menschen, die mir wichtig sind, nicht gut geht, fühle ich mich wie gelähmt – selbst wenn ich mich über sie ärgere. Dann ist es wichtig, dass ich meine Gefühle ernst nehme und darüber spreche. Enttäuschung, Ärger oder Frust herunterzuschlucken ist keine Lösung. Ich habe auch begriffen, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn es um die Erfüllung meiner eigenen Bedürfnisse und Wünsche geht. Das gehört zu einem glücklichen Leben einfach dazu – auch wenn das natürlich nicht heißt, dass jeder Wunsch erfüllt und jeder Plan in die Tat umgesetzt werden muss. Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass ich mir nicht jeden Schuh anziehen muss. Das gilt rückwirkend für meine Ehe, aber auch für künftige Konfliktsituationen. Mit diesen neuen Einsichten haben sich meine Schuldgefühle schnell gebessert und ich sehe wieder optimistisch in die Zukunft.“

Fühlen Sie sich ausgebrannt oder niedergeschlagen? Die Sozialarbeiter und Therapeuten der Stiftung BSW bieten Ihnen eine lösungsorientierte Beratung und Begleitung. Rufen Sie uns einfach an oder schicken Sie uns eine E-Mail. Telefon: 0800 0600 0800 (Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr). E-Mail: sozialberatung@bsw24.de

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Wer ist schuld an den Schulden?

Fachartikel von BSW-Sozialarbeiter Sascha Rehberg Jeder zehnte Bundesbürger über 18 Jahren ist überschuldet. Das geht aus dem Schuldenatlas 2016 des Wirtschaftsauskunfts-Unternehmens…

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Wer ist schuld an den Schulden?

2017-10-25

Fachartikel von BSW-Sozialarbeiter Sascha Rehberg

Jeder zehnte Bundesbürger über 18 Jahren ist überschuldet. Das geht aus dem Schuldenatlas 2016 des Wirtschaftsauskunfts-Unternehmens Creditreform hervor. Davon leben über vier Millionen Personen in einer dauerhaften Überschuldungssituation. Auch vor den Förderern und Spendern der Stiftungen BSW und EWH macht dieses Thema nicht Halt. Immer wieder wenden sich Hilfesuchende mit Schuldenproblemen an die BSW-Sozialberatung.
Was steckt hinter diesen erschreckend hohen Zahlen? Was sind die Ursachen von Überschuldung? Wie kann man der Schuldenspirale entkommen? Diesen Fragen beantwortet Sascha Rehberg, Diplom-Sozialberater im BSW und zertifizierter Schuldnerberater, in diesem Fachartikel.

Jeder hat Schulden
Unser Waren- und Dienstleistungsaustausch wird über Geld geregelt. Ganz ohne Schulden zu leben, ist fast unmöglich – Flüge zu buchen oder ein Auto zu kaufen, ist ohne Kredit oder Kreditkarte heute gar nicht mehr denkbar. Schulden zu haben, ist daher ganz normal und gehört zum wirtschaftlichen Kreislauf, zum gesellschaftlichen Zusammenleben. Kritisch wird die Situation erst bei sogenannter Überschuldung. Davon spricht man, wenn die monatlichen Zahlungsverpflichtungen das Einkommen übersteigen und der Schuldner die Forderungen auf Dauer nicht mehr bedienen kann.

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Wie Überschuldung entsteht
Die Wenigsten sind „selbst schuld“ an den Schulden. Nur etwa elf Prozent der überschuldeten Personen sind aufgrund ihres Konsumverhaltens in diese Lage geraten, indem sie zum Beispiel mehr gekauft haben, als sie sich leisten können. In über der Hälfte aller Fälle sind Schicksalsschläge wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Trennung bzw. Verlust des Partners die Auslöser von Schuldenkrisen. Es kann auch passieren, dass das Geld auch bei voller Erwerbstätigkeit nicht zum Leben reicht – Einkommensarmut ist in Deutschland die zweithäufigste Ursache für Überschuldung. An dritter Stelle folgt die gescheiterte Selbstständigkeit, die oftmals einen Schuldenberg hinterlässt, den die Betroffenen nicht mehr selbst bewältigen können.

Risikogruppen
Männer und Frauen sind ungefähr gleich oft von Überschuldung betroffen, doch es gibt zwei überdurchschnittlich gefährdete Gruppen: Alleinerziehende, die nicht oder nur in Teilzeit arbeiten, und Alleinlebende Besonders hoch ist das Überschuldungsrisiko zudem in der ersten Lebenshälfte: Kinder, Haus- und Autokäufe sind finanzielle Risiken, die viele in dieser Lebensphase eingehen. Verringert sich dann das Einkommen, etwa aufgrund einer langen Erkrankung oder Arbeitslosigkeit, ist die Schuldenkrise meist nicht mehr fern.

Schulden und Scham
Ist die Überschuldung erst einmal eingetreten, versuchen die meisten Betroffenen zunächst, naheliegende Gegenmaßnahmen einzuleiten: sie sparen, verkaufen Wertsachen, leihen sich Geld bei Freunden und Verwandten, nehmen Kredite auf oder suchen sich einen zusätzlichen Nebenjob. Reicht das nicht aus, treten sogenannte „harte“ Überschuldungsanzeichen auf. Die Schuldner geraten in Zahlungsverzug, in Inkassoverfahren, müssen eidesstattliche Versicherungen abgeben oder werden gar gepfändet. Viele der Betroffenen versuchen, ihr Problem geheim zu halten, weil sie sich ihrer Schulden schämen. Dabei kommt ihnen die Situation immer auswegloser vor, sie fühlen sich ohnmächtig. So dreht sich die Schuldenspirale immer weiter, bis die Überschuldeten anfangen, ihre Post nicht mehr zu öffnen, um das Problem zu verdrängen.

Auswirkungen von Schulden
Die meisten Betroffenen leiden so stark unter der Situation, dass sie über kurz oder lang körperliche und seelische Auswirkungen spüren. 80 Prozent der Überschuldeten werden psychisch krank oder entwickeln Wirbelsäulen- oder Gelenkerkrankungen. Fast zwei Drittel von denjenigen, die in medizinischer Behandlung sind, kaufen aus Geldmangel die verschriebenen Medikamente nicht. Auch Freunde und Familie der Betroffenen ziehen sich häufig zurück. Schulden können sogar den Arbeitsplatz gefährden oder verhindern, dass Arbeitslose eine Beschäftigung finden. In vielen Fällen können Überschuldete den Teufelskreis, in dem sie sich befinden und der ihr ganzes Leben beherrscht, nicht mehr aus eigener Kraft durchbrechen.

Der Weg aus der Krise
Doch Schulden zu überwinden, ist möglich – für jeden. Wichtig ist der erste Schritt der Betroffenen in eine nach §305 InsO anerkannte Schuldnerberatung. Die Schuldnerberatungsstellen helfen kostenlos und vertraulich dabei, die finanziellen Verhältnisse der Betroffenen zu ordnen und die individuellen Möglichkeiten auszuloten. Dabei gilt der Grundsatz: Erst kommt das Leben, dann die Schulden. Dazu hat der Gesetzgeber Regelungen getroffen, die trotz Überschuldung die Existenz sichern sollen: Das Pfändungsschutz-Konto, kurz: P-Konto, beinhaltet zum Beispiel eine Freigrenze von mindestens 1133,80 Euro, die nicht gepfändet werden darf, damit Schuldner die laufenden Kosten decken können, die lebensnotwendig sind. Als letzte Möglichkeit steht der Weg des Insolvenzverfahrens offen, bei der ein vollständiger finanzieller Neustart möglich ist. Schuldnerberatungen begleiten ihre Klienten in der Regel durch den gesamten Prozess bis eine Gesamtlösung gefunden ist. Leider müssen Hilfesuchende bei den Beratungsstellen oft lange Wartezeiten – im Schnitt um die zehn Wochen – in Kauf nehmen. Diese Wartezeit können die Schuldner jedoch zur Vorbereitung nutzen, indem sie wichtige Unterlagen zusammensuchen und ordnen.

Rechtzeitig Unterstützung suchen!
Wenn das Geld nicht mehr reicht, um Strom oder Miete zu bezahlen, lässt das auf ein ernstes Schuldenproblem schließen. Spätestens wenn diese so genannten Indikatorschulden auftreten, ist es höchste Zeit, sich Hilfe zu holen. Die BSW-Sozialarbeiter stehen auch bei Geldsorgen bereit und können im Rahmen einer Budgetberatung erste Schritte begleiten – schnell, diskret und vertraulich. Sie vermitteln bei Bedarf auch an Schuldnerberatungen weiter und helfen bei der Vorbereitung des dortigen Erstberatungsgesprächs, indem sie beispielsweise gemeinsam mit dem Schuldner die Unterlagen nach Ursprungsgläubigern sortieren oder eine Schufa-Auskunft anfordern.

Existenzsicherung vor Schuldentilgung
Wichtig ist in jedem Fall, sich dem Problem zu stellen, und sich klar zu machen, dass es nur aufwärts gehen kann. Bei der Schuldnerberatung gilt der Grundsatz „Existenzsicherung vor Schuldentilgung“: Erst müssen die lebensnotwendigen Ausgaben gedeckt sein – Miete, Strom, Heizung, Fahrtkosten und Lebensmittel. Nur mit dem dann noch übrigen Geld werden Schulden abgebaut. Dieser Prozess erfordert zwar viel Geduld und manchmal starke Nerven, doch am Ende steht ein schuldenfreies, selbstbestimmtes Leben.

BSW-Netzwerk Soziale Dienste

Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, sind wir für Sie da. Die BSW-Sozialberatung und der Psychologisch-Therapeutische Fachdienst stehen Ihnen deutschlandweit, unbürokratisch und diskret zur Verfügung. Bei finanziellen Sorgen können wir zum Beispiel mit Budgetberatung oder Erstellung eines Haushaltsplans helfen – im Ernstfall vermitteln wir auch weiter an spezialisierte Fachdienste.

Wenn Sie Unterstützung benötigen, dann rufen Sie uns unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 0600 0800 an oder senden Sie uns eine E-Mail: sozialberatung@bsw24.de

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Suchterkrankungen und das „Thema hinter dem Thema“

Fachartikel von Dipl. Psych. Arne Mangelsen, Suchttherapeut im BSW. Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Abhängigkeitserkrankung – das ist jeder zehnte. Am häufigsten…

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Suchterkrankungen und das „Thema hinter dem Thema“

2017-05-11

Fachartikel von Dipl. Psych. Arne Mangelsen, Suchttherapeut im BSW.

Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Abhängigkeitserkrankung – das ist jeder zehnte. Am häufigsten treten die Abhängigkeiten von Tabak und Alkohol auf. Um eine Sucht behandeln zu können, ist es unablässig, deren Ursache herauszufinden.

Wenn über Sucht geredet wird, meinen viele, es komme bei deren Behandlung vor allem auf das Suchtmittel und die Konsumhäufigkeit an, da man daraus auf die Schwere der Sucht schließen könne. Ein Suchtkranker müsse dann nur seine Abstinenz herstellen, um „geheilt“ zu sein und ein positives und konstruktives Leben führen zu können. Aus therapeutischer Sicht ist dies nicht ausreichend: Suchtmittel und Konsumhäufigkeit spielen sicherlich eine gewichtige Rolle in der Behandlung von Suchterkrankungen; erfahrungsgemäß ist es für eine langfristige Abstinenz allerdings unbedingt erforderlich, das „Thema hinter dem Thema“ zu finden und zu bearbeiten.

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Was ist eine Suchterkrankung aus therapeutischer Sicht?
Eine wichtige Sichtweise auf das Suchtgeschehen besteht darin, dass die Suchterkrankung nur das Symptom einer Störung ist und nicht deren Ursache. Im Verlauf gibt es viele negative physische und psychische Begleiterscheinungen, die in die medizinische Behandlung mit einbezogen werden müssen, beispielsweise Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, die Nervenkrankheit Polyneuropathie (Schaufensterkrankheit) oder auch das Korsakowsyndrom (Verlust des Kurzzeitgedächtnisses) und die Leberzirrhose sind hier besonders zu nennen. Diese sind aber Folgeerkrankungen, nicht Ursachen der Suchterkrankung.
Auch negative soziale und berufliche Veränderungen sind immer nur als Folge einer Sucht zu betrachten, auch wenn diese häufig im Vordergrund stehen, beispielsweise bei drohendem Job- oder Wohnungsverlust, Trennung einer Partnerschaft oder Distanzierung der Freunde und Familie.

Aber was ist das „Thema hinter dem Thema“?
Bei suchtkranken Menschen ist immer wieder eine Gemeinsamkeit festzustellen, egal welcher Sucht sie verfallen sind und in welcher Häufigkeit sie Suchtmittel konsumieren: Sie haben eine so genannte Kontaktstörung, womit die Beziehungsmuster des Individuums zu Menschen im beruflichen wie auch privaten Umfeld gemeint sind: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten damit, sich zu binden oder abzugrenzen. Konfliktfähigkeit spielt hier eine wichtige Rolle, die meist unzureichend entwickelt ist.

Vorsicht: Theorie!
In der Theorie spricht man von einem Nähe-Distanz-Konflikt. Der Konflikt in der Nähe- und Distanzregulierung besteht für den Einzelnen darin, dass er sich als soziales Wesen immer eine Nähe zu anderen Menschen wünscht und anstrebt, diese Nähe, wenn sie in einer Beziehung erreicht wird, aber nicht aushält. Das heißt, es muss anschließend wieder eine Distanz aufgebaut werden, um sich entspannen zu können. Wenn diese Distanz, eventuell aktiv durch eine Trennung der Partnerschaft oder auch passiv-aggressiv, hergestellt wurde, leidet der Betroffene wieder unter dem Gefühl der Einsamkeit – und macht sich auf die Suche nach neuen Beziehungen.

In diesem Kreislauf von Suche und Abwehr spielen Alkohol oder andere Drogen und Verhaltenssüchte eine wichtige Rolle. Denn wenn sich der Betroffene in diesem Muster bewegt und damit unter enormer Anspannung bzw. Stress steht, bietet das Suchtmittel immer eine emotionale Betäubung und Distanzierungsmöglichkeit an. Das heißt, das Rauschmittel bringt die negativen Gefühle zum Verschwinden und bietet kurzfristig eine positiv bewertete Selbstwahrnehmung an.

Therapie, aber wie?
Dieser Themenkomplex der Nähe-Distanz-Regulierung spielt in unser aller Leben eine Rolle, aber nicht jeder Mensch wird süchtig. Das liegt vor allem daran, dass sich die meisten Menschen ausreichend gut in Nähe und Distanz regulieren können.
Warum können süchtige Menschen dies nicht oder nicht ausreichend? Und ist das nicht vielleicht auch ein Ergebnis der Suchterkrankung?
In der therapeutischen Arbeit steht die Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten der Suchtkranken an erster Stelle. Denn hier wird deutlich, dass es in der Regel verunsichernde, schädigende oder auch traumatisierende Erfahrungen in der frühen Kindheit gegeben hat. Diese Erlebnisse waren meist sogar in der eigenen Familie auszumachen, die dem Kind häufig kein Grundvertrauen vermitteln konnte (Unterversorgung). Auch aktiv beschädigende Handlungen, wie gewalttätige Misshandlungen und sexueller Missbrauch, spielen oft eine Rolle in der Entstehung des Störungsbildes.
Mit solchen Erfahrungen ist es nachvollziehbar, dass es dem heranwachsenden jungen Menschen nicht möglich ist, vertrauensvolle, nahe Beziehungen aufzubauen. Im Gegenteil: Meist schon in der Pubertät entdecken sie Regulationsmöglichkeiten über Alkohol und andere Drogen oder in Verhaltensexzessen – fast ein Garant dafür, dass sie sich auch als Erwachsene nicht ausreichend positiv binden können.

Die vertrauensvolle therapeutische Beziehung
Hier setzen viele Therapieangebote ganz grundsätzlich an: den Betroffenen eine Art der Nachreifung anzubieten. Hierbei spielt eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung die zentrale Rolle; der Suchtkranke kann dadurch lernen, dass er mit allen Ängsten und Fehlern angenommen wird, auch wenn er sich zeigt, wie er ist. Keine Angst vor Unterdrückung zu haben, stellt ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für eine entspannte therapeutische Verbindung dar.
Wenn es also gelingt, die Beziehungsebene positiv zu etablieren, können auch die vergangenen Erlebnisse, die zu einer Beschädigung geführt haben, besprochen werden – was unumgänglich für deren Bearbeitung ist und erst danach die Chance besteht, dass diese Themen ihre negativen Auswirkungen auf das aktuelle Leben des Suchtkranken verlieren und er endlich zur Ruhe kommen kann.

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Überlebensstrategie
Zunächst muss man sich die Ausgangssituation vorstellen: Ein Kind unter 10 Jahren erfährt beispielsweise körperliche Gewalt von den Eltern. Die Eltern sind grundsätzlich für jedes Kind als Liebesobjekt besetzt; das heißt, das Kind erwartet von den Eltern Nähe und Sicherheit. Es macht aber ganz gegenteilige Erfahrungen, die es nicht mit dem inneren Bild und seinen Gefühlen zu seinen Eltern in Übereinstimmung bringen kann.
Ein so junger Mensch hat noch keine Fähigkeiten entwickeln können (weder intellektuell noch emotional), sich von dieser Situation zu distanzieren. Deshalb laufen die weiteren psychischen Prozesse auf der unbewussten Ebene ab. Ein möglicher unbewusster Prozess könnte ein Abspaltungsvorgang sein. Der psychische Apparat versucht die inneren Spannungen aufzuheben, indem er die Schuld bei sich selbst sucht und die Eltern idealisiert. Damit wird das Liebesobjekt geschützt und es darf auch weiter positiv besetzt bleiben. Das – vermeintlich eigene – Fehlverhalten wirkt aber langfristig weiter. An dieser Stelle ist meistens auch die Entstehung eines negativen Selbstwerts zu verzeichnen.
Mit einer solch entlastenden Ausweichstrategie kann das Kind zunächst seine Situation überleben, denn es gibt keine Alternative zu den Eltern. Das abgespaltene Gefühl bleibt aber in der Form erhalten, dass zukünftig alle Liebesobjekte und positiv bewerteten Personen als potentiell gefährlich eingestuft werden. Der Heranwachsende hat gelernt, auf unbewusste Gefühle des Unwohlseins und der Bedrohung mit dem Konsum von beispielsweise Alkohol zu reagieren. Die Ängste verschwinden und ein Gefühl der Sicherheit und Entspannung stellt sich ein. Wenn dieser Wirkzusammenhang einige Jahre wiederholt eingesetzt wird, kommt es von der Gewöhnung an das Suchtmittel zur ausgeprägten Suchtstruktur, die der Betroffene nicht mehr selbständig verändern kann.

Wie funktioniert Therapie?
Erst durch die therapeutische Aufarbeitung können diese Zusammenhänge deutlich werden und der Suchtkranke kann daran arbeiten, neue und positive Erfahrungen zu machen, die wiederum einen neuen Erfahrungshorizont schaffen – es entstehen neue Handlungsalternativen, die den Betroffenen in die Lage versetzen, sich positiv und konstruktiv mit sich und seinem aktuellen Leben auseinanderzusetzen. Das alte Handlungsmuster, das meist durch eine Vermeidung von Auseinandersetzung geprägt war, kann als destruktiv erkannt und vermieden werden.
Für eine langfristige Abstinenz ist deshalb eine Erhöhung der Selbstwahrnehmung Voraussetzung. Achtsamkeit, Selbstfürsorge und ein positiver Selbstwert sind wichtige Begriffe, die für den weiteren Prozess der Persönlichkeitsentwicklung eine zentrale Rolle spielen. Diese Entwicklung zieht dann auch eine Neupositionierung des Betroffenen in seinen bisherigen Lebenszusammenhängen nach sich, und damit verändern sich schließlich auch die Beziehungen zu den Menschen im privaten wie beruflichen Umfeld.

Weitere Informationen zum Thema Suchtprävention finden Sie unter https://www.bsw24.de/soziales-gesundheit/suchtpraevention/.

BSW-Beratungsangebote

Wenn die eigenen Kräfte nicht mehr reichen, ist die Stiftung Bahn-Sozialwerk für Sie da. Die BSW-Sozialberatung und der Psychologisch-Therapeutische Fachdienst stehen Ihnen deutschlandweit, unbürokratisch und diskret bei beruflichen oder persönlichen Problemen zur Verfügung – z.B. bei Burnout, Depression, psychischen Belastungen, schwierigen familiären Situationen, Suchterkrankungen oder in Krisensituationen.
Wenn Sie Unterstützung benötigen, dann rufen Sie uns unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 0600 0800 an - Montag bis Freitag, von 8 bis 16 Uhr, oder senden Sie uns eine E-Mail an sozialberatung@bsw24.de.

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Was ist Stress?

Fachartikel von Martina Menzel, systemische Therapeutin im BSW Etwa 23 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig gestresst. Das heißt, dass knapp 19 Millionen Menschen…

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Was ist Stress?

2017-04-10

Fachartikel von Martina Menzel, systemische Therapeutin im BSW

Etwa 23 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig gestresst. Das heißt, dass knapp 19 Millionen Menschen niemals ganz abschalten können. Fast genauso viele haben schon einmal so extremen Stress erlebt, dass sie ihn alleine nicht mehr bewältigen konnten.
Dauerhafter Stress kann zu psychischen Erkrankungen wie Depression oder Burnout führen. Warum wir uns gestresst fühlen, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Meist liegen sie im Arbeitsumfeld oder werden durch Konfliktsituationen, insbesondere im privaten Umfeld, hervorgerufen. Doch was ist Stress eigentlich?

Schon das Wort Stress verursacht Stress

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Materialprüfung und meint die Anspannung und Verzerrung von Metallen. Der Mediziner Hans Selye verwendete den Begriff in den 1930er-Jahren erstmals in der Psychologie und bezeichnete damit jede Belastung, Anstrengung und jedes Ärgernis, denen ein Lebewesen täglich ausgesetzt ist.
Heute verwenden wir das Wort Stress oft für alles, was mit einer gewissen Anstrengung verbunden ist: Einen normalen Arbeitstag, das Einkaufen von Lebensmitteln, vielleicht sogar ein Treffen mit Freunden nennen wir stressig, ohne viel darüber nachzudenken.
Allein der unbedachte Gebrauch des meist negativ besetzten Wortes erzeugt ein Gefühl unangenehmer innerer Anspannung und macht normale Alltagssituationen zu überfordernden Belastungen. Die Folge ist oft, dass wir uns selbst in eine Erschöpfung hineinreden. Durch unsere Bewertung erzeugen wir das, was wir befürchten. Manchmal ist der Satz: „Ich bin total im Stress“ aber auch ein Statussymbol, das auf die eigene Wichtigkeit und Unersetzlichkeit hinweisen soll.

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Stress als Herausforderung

Sinnvoll ist daher eine enger gefasste Definition: Stress entsteht durch eine (meist unangenehme) Anforderung, die wir mit unseren Fähigkeiten nicht bewältigen können, die uns bedroht und überfordert. In solchen Situationen ist es ratsam und sinnvoll, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Der Begriff sollte also mit Bedacht verwendet werden und nur dann, wenn es – so objektiv wie möglich betrachtet – auch so ist. Bezeichnet man eine an sich nicht-stressige Situation beispielsweise als „interessante Herausforderung“ verändert man meist auch die eigene Haltung dazu.

Unterscheidung ist wichtig

Diese Differenzierung ist keine Wortklauberei: Für eine gesundheitsfördernde Lebensweise ist es sehr wichtig, zwischen negativer Stressbelastung und interessanter Herausforderung zu unterscheiden. Nur so können wir das eine in das andere verwandeln oder uns umgekehrt davor bewahren, schädigenden Stress schön zu reden.
Akuter Stress muss nicht immer schädlich sein. Ganz im Gegenteil: Er kann sogar neuen Schwung in unser Leben bringen. Stress fördert das Lernen und die Entwicklung – und dies vor allem dann, wenn wir eine Stress-Situation als positive Herausforderung wahrnehmen, an der wir reifen können.
Im Gegensatz dazu kann chronische Stressbelastung ohne ausreichende Erholungsphase unsere Gesundheit erheblich bedrohen. In der Folge kann auch unsere Arbeitsleistung beeinträchtigt werden. Nicht selten führt dies dann etwa zu Depressionen, weil die gesteckten Ziele innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht erreicht werden.

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Verantwortung übernehmen

Lösungsorientierte Stressbewältigung packt das Problem bei der Wurzel und wirkt nachhaltig – sie ist daher grundsätzlich einem bloßen Verdrängen vorzuziehen. Allerdings gibt es nicht immer eine schnelle Lösung oder diese erscheint einem nicht umsetzbar. Dann ist es gut, ein soziales Netzwerk zu haben, das bei der Lösungsfindung unterstützt. Professionelle Hilfe bietet zusätzlich die Möglichkeit, die eigene Situation mit einem Blick von außen auf einer neutralen Ebene zu betrachten.
Wer über ein breites Spektrum an Stressbewältigungsstrategien verfügt und diese bei Bedarf flexibel einsetzen kann, hat alle Chancen, ungesunden Stress in eigener Verantwortung zu vermeiden – und zwar ganz individuell: Der eine erholt sich eher in der Sauna, während sich der andere sportlich auspowern muss, um Anspannung abzubauen. Das kann jeder für sich selbst herausfinden.
Finden Betroffene nicht selbst aus einer akuten und anhaltenden Stressspirale heraus, sollten sie therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Systemisch-therapeutische Methoden helfen dabei, den Blick für notwendige Veränderungen zu entwickeln.

Fühlen Sie sich dauerhaft gestresst und wissen nicht, wie Sie Ihre Situation entspannen können? Unsere Sozialarbeiter und Therapeuten bieten Ihnen eine lösungsorientierte Beratung und Begleitung. Kontakt: Telefon: 0800 0600 0800, E-Mail: sozialberatung@bsw24.de

Stopp mal-Seminare - Hilfe bei Stress und Eskalation im Berufsalltag

Wenn Ihre Kraft für die Bewältigung des täglichen Berufsstresses immer weniger wird, die nötige Gelassenheit und Distanz verloren geht oder auch zunehmende Eskalationen im Kundenkontakt das Gefühl der Hilflosigkeit erzeugen, dann ist Hilfe und guter Rat teuer. Eben nicht!
Mit dem Seminar „Stopp mal!“ bieten Stiftung Bahn-Sozialwerk, Fonds soziale Sicherung und der Verband Deutscher Eisenbahner-Sportvereine die Möglichkeit der fachlichen Orientierungshilfe zum Umgang mit Stress und zur Bewältigung des persönlichen Stresserlebens.

Weitere Informationen unter www.bsw24.de/soziales-gesundheit/stopp-mal/

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Essstörungen – keine Frage des Geschlechts

Antje Krause ist als Sozialarbeiterin für die Stiftung BSW in Nürnberg tätig. Gelegentlich suchen auch Menschen ihre Hilfe, die unter Essstörungen leiden. Hier erklärt sie die…

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Essstörungen – keine Frage des Geschlechts

2017-03-27

Antje Krause ist als Sozialarbeiterin für die Stiftung BSW in Nürnberg tätig. Gelegentlich suchen auch Menschen ihre Hilfe, die unter Essstörungen leiden. Hier erklärt sie die häufigsten Formen der Krankheit und warum die Ursachen dafür bei Männern und Frauen sehr verschieden sein können.

Unter den vielen verschiedenen Arten von Essstörungen treten drei am häufigsten auf: Magersucht, (Anorexia nervosa), Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und die sogenannte Binge Eating-Störung.

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Antje Krause

Magersucht
In aller Regel tritt die Erkrankung während der Pubertät erstmals auf. An Magersucht Erkrankte sind extrem dünn. Sie führen dieses Untergewicht selbst herbei, indem sie sehr wenig essen und teilweise auch das Trinken einschränken. Ein Teil der Magersüchtigen beschleunigt die Gewichtsabnahme durch exzessiven Sport oder die Verwendung von Abführmitteln, Appetitzüglern oder Medikamenten zur verstärkten Ausscheidung von Körperwasser.
Die Körperwahrnehmung von Magersüchtigen weicht von der Realität ab, d.h. die Erkrankten fühlen sich trotz des geringen Gewichts zu dick. Der sogenannte Body-Mass-Index liegt bei Diagnose einer Magersucht unter 17,5 – eine Frau mit 1,65 Meter Körpergröße würde zum Beispiel 47 Kilogramm oder weniger wiegen.
Auf Dauer kann so extremes Untergewicht auch körperliche Folgen haben, wie z.B. Osteoporose, Verlangsamung des Herzschlags, Blutarmut bis hin zu Herzrhythmusstörungen oder Nierenversagen. Für bis zu 15 Prozent der Erkrankten endet die Erkrankung sogar tödlich.

Ess-Brech-Sucht
Phasenweise ernähren sich an Bulimie Erkrankte normal bis gesund mit eher kalorienreduzierter Nahrung. Zwischen diesen normalen Phasen folgen aber immer wieder Essanfälle, in denen sie innerhalb kürzester Zeit sehr große Mengen an Kalorien zu sich nehmen. Sie sind dabei von nicht abwendbarer Gier nach Essen getrieben.
Um die Kalorien nicht in Körperfett umzuwandeln, versuchen sie, das Essen durch selbst ausgelöstes Erbrechen wieder loszuwerden. Auch Bulimiker treiben zur Stabilisierung des Gewichts häufiger exzessiv Sport oder missbrauchen Medikamente wie beispielsweise Abführmittel. Nach außen ist diese Erkrankung schwerer auf Anhieb erkennbar, da sich das Körpergewicht im Gegensatz zu Magersüchtigen eher im Normalbereich bewegt. Insofern führen die Betroffenen oft ein anstrengendes Doppelleben zwischen Wahrung des schönen Scheins und unkontrollierten Essattacken. Das kostet sie viel Kraft und Zeit. Oft bleiben auch zwischenmenschliche Kontakte auf der Strecke. Die Erkrankung tritt häufig erst gegen Ende des Jugendalters auf.

Binge Eating-Störung
Binge bedeutet übersetzt Gelage oder Prasserei. Auch bei dieser Erkrankung werden wie bei der Bulimie enorm große Mengen an Essen innerhalb kurzer Zeit verschlungen oder es wird willkürlich über den Tag verteilt eine hohe Kalorienzufuhr betrieben.
Die Patienten verlieren die Kontrolle über ihr Essverhalten. Darüber hinaus nehmen sie kein Sättigungsgefühl wahr. Zudem verspüren sie nach den Essattacken enorme Schuldgefühle. Zu dem starken Leidensdruck können häufig auch Depression oder soziale Angst kommen.
Anders als bei der Bulimie entledigen sich die Erkrankten der zugeführten Kalorien jedoch nicht durch Erbrechen oder andere Vorgehensweisen. Insofern sind die Betroffenen oft übergewichtig – häufig begünstigt durch Bewegungsmangel. Übergewicht ist jedoch keine notwendige Voraussetzung für dieses Krankheitsbild, es gibt auch Normalgewichtige unter den Betroffenen. Diese Erkrankung tritt häufig im Alter von 20 bis 30 Jahren auf oder aber zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr.
Als medizinische Folgen können beispielsweise Magenerweiterung mit Gefahr des Magenrisses, Gelenkabnutzungen, Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Schlafstörungen auftreten.

Essstörungen bei Männern und bei Frauen
Die Erscheinungsbilder der oben beschriebenen Krankheiten sind bei beiden Geschlechtern sehr ähnlich und werden bei Männern und Frauen gleich behandelt. Häufig sind überzogene Schönheitsideale, die von Medien und Werbung verbreitet werden, eine Ursache. Die Erkrankten – Frauen wie auch Männer – versuchen so, dem Idealbild des schlanken, sportlichen Menschen zu entsprechen. An der Binge Eating-Störung leiden ungefähr gleich viele Männer und Frauen, während Frauen drei Mal häufiger an Magersucht und Bulimie erkranken als Männer.
Oft treten diese Krankheiten in der Pubertät auf, während der im weiblichen Körper vermehrt Fett eingelagert wird. So wird das Körperbild negativ beeinflusst. Frauen neigen dann dazu, ihr Gewicht durch Diätmaßnahmen zu kontrollieren. Findet an dieser Stelle ein Kontrollverlust statt, kann das Abnehmen die genannten krankhaften Züge annehmen. Männer hingegen kontrollieren ihr Gewicht meist durch sportliche Aktivität. Bartwuchs und Muskeln, die sich in der Pubertät entwickeln, sind – im Unterschied zu Fetteinlagerungen – gesellschaftlich anerkannt und sogar erwünscht.
Essstörungen werden bei Männern oft viel später entdeckt. Dafür sind viele Faktoren verantwortlich. Zum einem wird gesellschaftlich deutlich besser akzeptiert, wenn Männer exzessiv viel Nahrung zu sich nehmen, als wenn Frauen das tun. Männer verspüren nach Essattacken deshalb auch weniger Selbsthass, der sie dazu bewegen könnte, Hilfe zu suchen. Umgekehrt schämen sich viele Männer besonders, die an Bulimie oder Magersucht leiden, da diese Krankheitsbilder als typisch weiblich gelten. Zudem sind auch viele Ärzte nicht ausreichend für das Thema sensibilisiert und erkennen die Krankheit bei Männern oft erst spät.

Fazit
Egal, ob eine Frau oder ein Mann von einer Essstörung betroffen sind: Dahinter stecken oft tiefer liegende psychische Probleme, die einer psychotherapeutischen Behandlung und ebenso medizinischen Sicherung bedürfen. Darüber hinaus kann beispielsweise extreme Fettleibigkeit massive berufliche Schwierigkeiten nach sich ziehen – gerade dort, wo körperliche Arbeit gefragt ist. Das Leid von Menschen mit Essstörungen ist oft für Außenstehende nicht sichtbar und für die Betroffenen selbst von großer Scham und Unsicherheit geprägt.

Die Stiftung Bahn-Sozialwerk bietet mit qualifizierten Sozialarbeitern und dem Psychologisch-Therapeutischen Fachdienst in psychischen und gesundheitlichen Fragen eine erste Anlaufstelle, um weitergehende Hilfe und Besserung auf den Weg zu bringen. Wenn Sie Unterstützung benötigen, dann rufen Sie uns unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 0600 0800 an (Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr) und Sie werden direkt zu einem Sozialarbeiter weitergeleitet. Selbstverständlich können Sie sich auch per E-Mail bei uns melden: sozialberatung@bsw24.de

Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Bundesministerium für Gesundheit, Internetportal magersucht.de

– Antje Krause

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Mehr Leistungen in der Pflege

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist ein wichtiger Teil der BSW-Sozialberatung. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II hat sich seit 1. Januar 2017 für Pflegebedürftige und pflegende…

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Mehr Leistungen in der Pflege

2017-02-15

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist ein wichtiger Teil der BSW-Sozialberatung. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II hat sich seit 1. Januar 2017 für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige viel geändert – in den meisten Fällen erhalten sie mehr Leistungen als zuvor.
Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Neuerungen:

• Der Pflegebedarf wird nicht mehr in drei Pflegestufen, sondern in fünf Pflegegrade unterteilt. Dabei richtet sich der Bedarf danach, wie eingeschränkt die Pflegebedürftigen in ihrer Selbstständigkeit sind – je höher die Einschränkung, desto höher der Pflegegrad.
• Die Einschränkungen werden mit einem neuen, deutlich umfangreicheren Gutachten erfasst. Das Instrument, das zur Begutachtung dient, erfasst die Situation der Pflegebedürftigen individuell in sechs Bereichen, darunter zum Beispiel die Mobilität, die Fähigkeit zur Selbstversorgung sowie die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten. So werden körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen gleichermaßen berücksichtigt.
• Auch die Leistungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige wurden deutlich erhöht. Wer bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes eine Pflegestufe hatte, wird automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad eingestuft. Aus Pflegestufe I wird also ganz automatisch Pflegegrad 2.

So tiefgreifende Veränderungen werfen bei den Betroffenen natürlich viele Fragen auf. Wenn auch Sie Fragen dazu haben, helfen Ihnen die BSW-Sozialarbeiter gerne weiter. Kommen Sie einfach zu den regelmäßigen Terminen zur Pflegeberatung – auch in Ihrer Region. In Ihrem zuständigen BSW-Servicebüro erhalten Sie weitere Informationen und können sich zu den Terminen anmelden.
Oder rufen Sie unsere gebührenfreie Sozialrufnummer an: 0800 0600 0800

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Die Patientenverfügung: Verantwortung übernehmen und Angehörige entlasten

Andreas Becker, Sozialarbeiter im BSW, ist Experte auf dem Gebiet der Vorsorge für den Ernstfall und erklärt, warum eine Patientenverfügung so wichtig ist, welche Maßnahmen es darüber…

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Die Patientenverfügung: Verantwortung übernehmen und Angehörige entlasten

2017-01-31

Andreas Becker, Sozialarbeiter im BSW, ist Experte auf dem Gebiet der Vorsorge für den Ernstfall und erklärt, warum eine Patientenverfügung so wichtig ist, welche Maßnahmen es darüber hinaus noch gibt und was es bei all dem zu beachten gilt.

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Unsere Gesellschaft wird immer älter. Nicht nur das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung, auch die Lebenserwartung jedes Einzelnen steigt stetig an. Jungen, die zwischen 2012 und 2014 geboren wurden, werden laut Statistischem Bundesamt im Schnitt etwas über 78 Jahre alt, Mädchen sogar über 83 Jahre. Zugleich steigt die Zahl der Pflegebedürftigen hierzulande an: Allein in den letzten zwölf Jahren um knapp 30 Prozent auf etwa 2,7 Millionen.

Wer entscheidet über Behandlungsmethoden, wenn ich es nicht selbst tun kann?

In vielen Fällen sind Pflegebedürftige nicht mehr in der Lage, selbst zu entscheiden oder ihren Willen darüber auszudrücken, welche medizinische Versorgung sie in welcher Situation wünschen. Doch nicht nur ältere Menschen sind betroffen. Jeder kann in so eine Situation geraten – zum Beispiel nach einem Unfall. Ärzte und Pflegekräfte wenden sich in solchen Fällen an die nächsten Angehörigen. Sie müssen dann meist sehr schnell schwerwiegende Entscheidungen treffen, manchmal über Leben und Tod – eine Überforderung, der wenige gewachsen sind.

Eine Patientenverfügung hilft, solche Situationen zu vermeiden. Darin wird der eigene Wille deutlich und vor allem rechtssicher festgehalten. Der behandelnde Arzt und sein Team erhalten detaillierte Informationen, in welchen Situationen der Patient welche Behandlungsmaßnahmen und unter welchen Umständen er Wiederbelebungsmaßnahmen wünscht. Und dieses Dokument ist bindend – eine Missachtung der Patientenverfügung kann rechtlich als Körperverletzung ausgelegt werden.

Auf diese Weise übernimmt der Patient im Vorfeld medizinischer Notsituationen selbst die Verantwortung für sich und entlastet seine Angehörigen, indem er ihnen schwierige Entscheidungen in seinem Namen abnimmt.

Der Aufbau einer Patientenverfügung

Zunächst werden die Situationen beschrieben, in denen die Patientenverfügung gilt, zum Beispiel im Sterbeprozess, im Endstadium einer unheilbaren Krankheit oder im Fall einer schwerwiegenden Gehirnschädigung. Anschließend kann für jede dieser Situationen genau festgelegt werden, welche pflegerische oder ärztliche Behandlung der Patient erhalten möchte oder eben nicht – von lebenserhaltenden Maßnahmen über Schmerzbehandlung bis hin zu Wiederbelebung oder künstlicher Ernährung.

Da nicht immer genau die Situationen eintreten, die in der Patientenverfügung beschrieben sind, ist es wichtig, den mutmaßlichen Patientenwillen auf Grenzfälle übertragen zu können. Dabei kann ein Begleitschreiben helfen, in dem die eigenen Wertevorstellungen, die allgemeine Einstellung zu Leben und Tod und gegebenenfalls religiöse Anschauungen festgehalten sind.

Formalitäten

Eine Beglaubigung durch einen Notar ist in der Regel nicht nötig – es sein denn, der Verfasser kann das Dokument nicht mehr eigenhändig unterschreiben. Empfehlenswert ist es, die Patientenverfügung mit dem Hausarzt zu besprechen und ihn als Zeugen unterschreiben zu lassen.

Die Patientenverfügung sollte regelmäßig etwa alle zwei Jahre mit dem aktuellen Datum versehen und unterschrieben werden, um zu signalisieren, dass der Inhalt noch gültig ist. Eine Änderung der Patientenverfügung ist jederzeit formlos möglich. Wichtig ist, jedes Exemplar sorgfältig zu datieren, denn es gilt immer nur die neueste Fassung.

Damit die Patientenverfügung im Bedarfsfall schnell zur Hand ist, müssen die Angehörigen oder Bevollmächtigten Zugriff darauf haben – und stets darüber informiert sein, wo sie aufbewahrt wird. Sinnvoll ist es auch, immer einen Hinweis darauf mit sich zu führen, dass eine Patientenverfügung existiert, und bei Aufnahme in einem Krankenhaus das Personal darüber zu informieren.

Weitere Vorsorgemaßnahmen

Nach deutschem Recht kann jede Person nur für sich selbst und die eigenen minderjährigen Kinder rechtsverbindliche Entscheidungen treffen. Wenn jemand dazu nicht in der Lage ist, geht dieses Recht nicht automatisch auf die nächsten Angehörigen wie den Ehepartner oder die Kinder über, sondern es wird durch einen vom Gericht bestellten Betreuer wahrgenommen. In der Regel werden zunächst die engsten Angehörigen gefragt, ob sie diese Betreuung ehrenamtlich übernehmen. Wenn sie das ablehnen oder keine Angehörigen vorhanden sind, bestimmt das Gericht einen Berufsbetreuer.

Wer es nicht darauf ankommen lassen möchte, kann für den oben beschriebenen Fall mit einer Vorsorgevollmacht eine bestimmte Person bevollmächtigen, in seinem Namen zu handeln und Entscheidungen zu treffen. In der Regel ist die Vollmacht für folgende fünf Bereiche gültig. Gesundheitssorge, Aufenthalt und Wohnungsangelegenheiten, Vertretung vor Behörden, Vermögenssorge sowie Post- und Fernmeldeverkehr. Die einzelnen Bereiche können bei Bedarf aber auf mehrere Personen aufgeteilt werden. So ist es bei älteren Paaren nicht unüblich, dass der Ehepartner die Gesundheits- und Vermögenssorge sowie die Aufenthaltsbestimmung übernimmt und die Kinder den Schriftverkehr und die Vertretung vor Behörden.

Eine notarielle Beurkundung ist in den meisten Fällen nicht nötig, manchmal aber sinnvoll. Eine Vorsorgevollmacht, die auch die Vermögenssorge beinhaltet, sollte zuvor auch mit der Bank besprochen werden, da Banken häufig auf ihre eigenen Vollmachten bestehen. Das spart im Ernstfall Zeit und Streitigkeiten mit der Bank.

Eine Betreuungsverfügung ist so etwas wie eine Vollmacht light. Hier wird lediglich festgelegt, wen das Gericht im Ernstfall als Betreuer einsetzen soll. Sie kann aber auch umgekehrt dazu dienen, bestimmte Personen zu benennen, die diese Funktion auf keinen Fall erfüllen sollen.

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Andreas Lung schrieb am 21.02.2017

Die DEVK hilft übrigens ihren Kunden je nach Vertragsstand beim Erstellen der Patientenverfügung online. Davon profitieren insbesondere auch EVG-MITGLIEDER.

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Angehörige zu Hause pflegen – eine Herkulesaufgabe

Wenn Menschen Beruf und Pflege unter einen Hut bringen müssen, kommen sie schnell an ihre Grenzen. Warum das so ist, weiß Andrea Göhler, die als Pflegefachkraft des BSW unsere Expertin…

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Angehörige zu Hause pflegen – eine Herkulesaufgabe

2017-01-23

Wenn Menschen Beruf und Pflege unter einen Hut bringen müssen, kommen sie schnell an ihre Grenzen. Warum das so ist, weiß Andrea Göhler, die als Pflegefachkraft des BSW unsere Expertin auf dem Gebiet ist.

Deutschland altert.

Damit steigt der Bedarf an Altenpflege und Betreuung zusehends. Familien sind in Deutschland die Pflegekräfte Nummer eins: Mehr als zwei Drittel der pflegebedürftigen Menschen werden in häuslicher Umgebung versorgt. Ende 2012 waren in Deutschland bereits mehr als 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig – und die Zahl steigt pro Jahr schätzungsweise um knapp fünf Prozent.

Versetzen Sie sich in folgende Situation: Sie sind berufstätig und arbeiten wirklich gerne in Ihrem Beruf. Ihre Eltern wohnen ein Stück entfernt, sie sind verheiratet und haben zwei Kinder im Teenageralter. Sie kommen nach der Arbeit heim, nachdem Sie den Sohn vom Sport abgeholt haben, bereiten schnell etwas zum Abendessen vor, gehen nochmals die Einkaufsliste für den nächsten Tag durch und wollen gerade etwas entspannen – plötzlich ein Anruf…

Angehörige werden trotz mancher Vorboten von der Pflegebedürftigkeit überrascht und sind plötzlich einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Wenn aus der Theorie auf einmal Praxis wird, dann sind die meisten trotz vieler Informationen und Tipps selbst mit einfachen Dingen überfordert. Schnell wird ihnen alles zu viel und sie sind von der Pflegesituation völlig überrumpelt. Hier braucht es eine helfende und oft auch ordnende Hand. Extrem erschwerend ist außerdem eine große räumliche Entfernung zu dem zu Pflegenden. Dann müssen administrative Aufgaben, der Kontakt zu Ämtern, zur Krankenkasse und dem Pflegedienst fast ausschließlich über das Telefon geregelt werden.

Die Stresspyramide

Dazu kommt die psychosoziale Komponente: der Job, der Partner, die eigene Gefühlswelt – das kann sehr schnell zu einem Überforderungssyndrom führen. Durch eine plötzlich eintretende Pflegesituation verändern sich selbstverständlich auch die eigenen Sichtweisen – und das darf nicht unterschätzt werden. Oft vernachlässigen pflegende Angehörige ihre eigenen Bedürfnisse, wie Freunde zu treffen oder das Hobby auszuüben. Die Doppelbelastung Pflege und Beruf kann auch zu einer Leistungsminderung führen. Sie fühlen sich ausgebrannt, überschreiten die eigenen physischen und psychischen Grenzen. Dies sind nur einige Abschnitte in einer Stresspyramide, die sich stetig aufbaut, wenn pflegende Angehörige die immense Belastung nicht rechtzeitig nach außen sichtbar machen. Neben den akut praktischen Fragen laufen sie auch leicht Gefahr, ihre eigenen Kräfte aus dem Blick zu verlieren.

Unsere BSW-Sozialberatung und der Psychologisch-Therapeutische Fachdienst helfen dabei, die eigenen Ressourcen zu pflegen und die Gesundheit zu sichern.

Andrea Göhler

Pflege zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung?

Aus Liebe und einem tiefen Verantwortungsgefühl heraus können sich die meisten Betroffenen nur eine Pflege daheim vorstellen. Stationäre Pflegeeinrichtungen werden in der Öffentlichkeit oftmals negativ dargestellt. Das hält Angehörige davon ab, sich ein eigenes Bild von einer geeigneten, den Bedürfnissen des zu Pflegenden angepassten Einrichtung zu verschaffen oder sich Gedanken über alternative Wohn- und Unterbringungsmöglichkeiten zu machen.

Wer sich für die Pflege daheim entschieden hat, sollte sich unbedingt umfassend informieren. Ergänzend zur BSW-Sozialberatung ist beispielsweise eine kostenlose Beratung in einem Pflegestützpunkt hilfreich. Die Pflegestützpunkte müssen von den gesetzlichen Krankenkassen seit 2009 vorgehalten werden und unterstützen kompetent und unbürokratisch bei allen Fragen rund um das Thema Pflege. Privat Versicherte können die Beratung von COMPASS mit einer kostenfreien Servicenummer oder einem terminierten Hausbesuch nutzen.

Multitalente

Wer einen nahen Angehörigen zu Hause pflegt, sieht sich oft mit einer Vielzahl von belastenden Faktoren konfrontiert und muss ein wahres Multitalent sein. Neben der eigenen Familie, dem Beruf, dem Hobby, dem Haushalt und den Freunden müssen die Pflege des Angehörigen sowie alle damit verbundenen Angelegenheiten klar geregelt werden. Denn es fallen neben der möglichen emotionalen Belastung soziale und administrative Aufgaben an: motivierende Gespräche, das Aufrechterhalten von Kontakten des zu Pflegenden, Arztbesuche, das Zahlen von Rechnungen, das Beantragen von Zuschüssen oder Sozialleistungen, der Kontakt zu Ämtern und Krankenkassen.

Die pflegerische Aufgabe ist eine oft unterschätzte Herausforderung. In den meisten mir bekannten Fällen hatten die Angehörigen bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Pflegefall in der eigenen Familie auftrat, keinerlei Berührungspunkte mit Pflege oder der Versorgung von alten Menschen. Auch in solchen Fällen erhalten Betroffene die nötige Hilfestellung von ihren Krankenkassen, die zum Teil auch kostenlose Grundpflegekurse anbieten.

Andrea Göhler

Hilfestellung vom Gesetzgeber

Pflegende Angehörige brauchen ein Gefühl der Sicherheit. Dieses entsteht, wenn sie sich nicht allein gelassen fühlen und Rückhalt auch bei ihren Arbeitgebern finden. Unternehmen sollten der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf einen höheren Stellenwert zuerkennen, das erfordert der demographische Wandel. Nur so können Arbeitnehmer, die sich in einer Pflegesituation befinden, den Betrieben mit ihrer Leistungsfähigkeit und Erfahrung erhalten bleiben. Im bestehenden Pflegesystem leisten gerade pflegende Angehörige unter dem Aspekt der Finanzierung sozialstaatlicher Leistungen einen ergänzenden und entlastenden Beitrag. Dass ein hoher Handlungs- und Entlastungbedarf für sie besteht, hat auch der Gesetzgeber erkannt und in den letzten Jahren verschiedene Gesetze zum Thema verabschiedet.

Gesetzliche Regelungen und staatlich garantierte finanzielle Unterstützung nehmen aber nur einen Teil des Drucks, der auf den Schultern jedes einzelnen pflegenden Angehörigen lastet. Finanziell nicht unbeträchtliche Eigenanteile und die hohen psychosozialen Belastungen bleiben.

Kompetente Antworten auf die wichtigsten Fragen

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Durch die Sozialberatung des BSW erhalten Betroffene kompetente und zielführende Beratung und Hilfe zum Thema Pflege. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern wie der Bahn-BKK zeigen wir Wege auf, wie pflegende Angehörige am besten mit der neuen und für alle Beteiligten ungewohnten Situation umgehen können. Gemeinsam klären wir wichtige Fragen rund um das Thema Pflege und vermitteln weitergehende fachliche Hilfe bzw. Ansprechpartner. Das Thema Betreuungsvollmacht findet hier ebenso seinen Platz wie die Beantragung einer Pflegestufe.
Wenn Sie Unterstützung benötigen, rufen Sie uns unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 0600 0800
an. Sie werden dann direkt zu Ihrem zuständigen BSW-Sozialarbeiter weitergeleitet.

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Wie Schlafmangel der Gesundheit schadet

Schon eine Woche mit zu wenig Schlaf stört die innere Uhr und verändert in uns die Aktivität Hunderter von Genen. Eine jüngst veröffentlichte Studie liefert neue Erkenntnisansätze…

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Wie Schlafmangel der Gesundheit schadet

2017-01-18

Schon eine Woche mit zu wenig Schlaf stört die innere Uhr und verändert in uns die Aktivität Hunderter von Genen.

Eine jüngst veröffentlichte Studie liefert neue Erkenntnisansätze für die schädlichen Auswirkungen von Schlafmangel auf die Gesundheit.
Von Schlafmangel spricht man bei Erwachsenen bei weniger als sechs Stunden Schlaf in der Nacht. Verschiedene Studien zeigen, dass zu wenig Schlaf nicht nur die Aufmerksamkeit herabsetzt und Wahrnehmung und klares Denken beeinträchtigt. Schlafmangel begünstigt auch Fettleibigkeit (Adipositas) und die Zuckerkrankheit Typ-2- Diabetes. Welche Störungen der natürlichen Vorgänge im Körper oder des Hormonsystems hierfür verantwortlich sind, wird derzeit aber erst in Ansätzen verstanden.

Wissenschaftler der britischen University of Surrey in Guildford haben deshalb die Auswirkungen eines einwöchigen Schlafmangels auf die Aktivität von Genen in Blutzellen untersucht. Für die Studie wurde die Bettzeit von 26 Männern und Frauen auf 5,7 Stunden Schlaf verkürzt. Zur Gegenkontrolle mussten sie mindestens zehn Stunden pro Nacht im Bett verbringen. Dabei schliefen sie im Durchschnitt 8,5 Stunden. Die fehlenden zwei bis drei Stunden hatten am Ende der Woche den nächtlichen Melatoningipfel verschoben, klares Zeichen für eine Störung der inneren Uhr. Melatonin ist das Hormon, das den Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. Die Probeschläfer waren nicht ausgeschlafen und die Qualität ihrer Wachheit war vermindert. Die Auswirkungen auf das Gesamtsystem aller in den Zellen aktivierten Gene waren tiefgreifend. Die Forscher registrierten Veränderungen bei 711 Genen. Die Zahl der Gene, die tageszeitlichen Schwankungen unterliegen, war von 1.855 auf 1.481 vermindert.

Auch die natürliche Abwehrkraft gegen freie Radikale leidet bei Schlafmangel. Freie Radikale sind schädliche Stoffe, die sich in unserem Körper aus unserer Atemluft entwickeln, die unser Organismus aber in der Regel erfolgreich bekämpfen kann. Neben Abwehrkräften leiden auch unsere Stoffwechselwege. Schlafmangel fördert auch Entzündungs- und Immunreaktionen, denen Einfluss auf die Entstehung chronischer Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes mellitus und Gefäßkrankheiten zugeschrieben wird. Wie genau Schlafmangel zur Entstehung der Erkrankungen beiträgt, können die Forscher allerdings nicht sagen. Ihre Erkenntnisse lassen derzeit also auch keine Ansätze für Therapien erkennen. So bleibt mir nur der allgemeine Ratschlag: Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung des Schlafes für die Gesundheit und gönnen Sie ihrem Körper und damit auch ihrer Seele jede Nacht ausreichende Ruhe.

– Oberbahnarzt Dr. med. Wolf-Dietrich Opitz

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Ab 2017 mehr Geld für Alleinerziehende

Unter den BSW-Förderern, die den Rat unserer Sozialarbeiter suchen, sind auch viele Alleinerziehende. Oft treiben sie Geldsorgen um, weil der ehemalige Partner seiner Unterhaltspflicht…

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Ab 2017 mehr Geld für Alleinerziehende

2017-01-18

Unter den BSW-Förderern, die den Rat unserer Sozialarbeiter suchen, sind auch viele Alleinerziehende. Oft treiben sie Geldsorgen um, weil der ehemalige Partner seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt. Für diese Menschen gibt es jetzt eine gute Nachricht: Der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss, der der beim zuständigen Jugendamt beantragt werden kann, wurde 2017 deutlich ausgeweitet. Bisher galt der Unterhaltsvorschuss nur für Kinder bis zwölf Jahren und konnte maximal sechs Jahre lang bezogen werden.

Mehr Unterstützung ab Juli 2017

Ab 1. Juli 2017 wird der Unterhaltszuschuss auf alle minderjährigen Kinder ausgeweitet. Zudem wird die Begrenzung der Bezugsdauer abgeschafft. Das heißt, der staatliche Zuschuss für Kinder kann vom ersten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr unbegrenzt gewährt werden.
Laut Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig werden von dieser neuen Regelung mindestens 260.000 Kinder zusätzlich profitieren. In jedem Fall bedeutet sie eine erhebliche Verbesserung der Einkommenssituation von Alleinerziehenden.
Informieren Sie sich jetzt bei Ihrem zuständigen Jugendamt.

Quelle: www.bundesregierung.de

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Positive Gedanken erzeugen positive Gefühle

Die Systemische Therapie Bei seelischen Problemen kann eine Psychotherapie helfen. Es gibt verschiedene Therapieformen, die in Deutschland wissenschaftlich anerkannt sind. Eine davon…

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Positive Gedanken erzeugen positive Gefühle

2017-01-17

Die Systemische Therapie

Bei seelischen Problemen kann eine Psychotherapie helfen. Es gibt verschiedene Therapieformen, die in Deutschland wissenschaftlich anerkannt sind. Eine davon möchten wir Ihnen heute vorstellen: die systemische Therapie.

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Alexandra Will ist Systemische Therapeutin, Familientherapeutin sowie Supervisorin und arbeitet bei der Stiftung BSW. Einmal im Monat leitet sie einen offenen Gesprächskreis, in dem mit systemischen Aufstellungen und Familienrekonstruktionen gearbeitet wird.

Welcher Gedanke steckt hinter der Systemik?

Die systemische Therapie hat sich aus der Arbeit mit Familien entwickelt. Der Kerngedanke liegt darin, dass der Schlüssel zur Behandlung von Problemen nicht nur in der zu behandelnden Person allein liegt; vielmehr geht es darum, das gesamte System zu betrachten, aus dem der Mensch kommt.
Ein einzelner Mensch wird in seiner Handlungsweise immer von vielen äußeren Faktoren beeinflusst, denn er ist in soziale Systeme wie Arbeit, Freundeskreis, Partnerschaft und Familie eingebunden. Wenn man Problemstellungen im Gesamtkontext betrachtet, kann man Wechselwirkungen und damit das eigene Verhalten besser verstehen, Handlungsoptionen und Lösungswege erarbeiten und damit am bestehenden System etwas verändern.

Aus meiner Sicht ist das Besondere an der systemischen Therapie, dass sie praktische und schnell umsetzbare Lösungen anbietet. Es geht um Ordnungen, der Betroffene erlangt Klarheit über seine eigene Rolle im jeweiligen System und versteht dadurch, warum er so ist, wie er ist. Die systemische Sichtweise ist etwas Greifbares und in sich logisch.

Alexandra Will

Ein Baustein der systemischen Therapie sind die so genannten Systemaufstellungen oder auch Familienrekonstruktionen. Was sind Aufstellungen?

Wir alle werden in ein Familiensystem hineingeboren, worauf wir keinen Einfluss haben. In diesem System hat jedes Familienmitglied eine bestimmte Rolle, die einzelnen Mitglieder stehen in einer gewissen Beziehung zueinander. Das alles läuft allerdings unbewusst ab und wir nehmen die häufig sehr verstrickten Beziehungsmuster nicht wahr. Dadurch entstehen Konflikte, die nur gelöst werden können, wenn man seine eigene Rolle im System erkennt und damit alternative Wege zur Auflösung von Verstrickungen gehen kann.

Destruktive Verhaltens- und Beziehungsmuster, die durch familiäre Strukturen gelernt wurden, können sich später negativ auf Partnerschaften, Freundschaften oder den Beruf auswirken, indem sie oft zu Missverständnissen – und im Nachgang zu Konflikten – führen.

Durch systemische Aufstellungen werden diese Muster offengelegt. Was bisher nur unterbewusst abgelaufen ist, wird visuell dargestellt. Damit kann der Betroffene den Ursprung der Problematik erkennen, aufarbeiten und hoffentlich loslassen. Grundsätzlich kann fast alles gestellt werden: Familiensysteme, Arbeitsplatzsysteme, Beziehungen zu Menschen allgemein oder speziell zu Freunden, sogar Beziehungen zu Situationen oder Zuständen, beispielsweise die Beziehung zu Geld.

Durch die systemische Therapie und Aufstellungen hat man schon sehr schnell erste Erfolgserlebnisse. Destruktive Verhaltensweisen können in förderliche verwandelt werden. Systemik bedeutet für mich einfach Persönlichkeitswachstum pur.

Alexandra Will

Wie läuft eine Aufstellung ab?

Aufstellungen, also die tatsächliche räumliche Positionierung von Menschen, finden meist in Gruppen zwischen zehn und fünfzehn Personen statt. Bevor eine Aufstellung beginnt, erklärt der Betroffene, welche Problematik er klären möchte, was das Ziel der Aufstellung sein soll, welche Wünsche und Erwartungen er hat.
Wird zum Beispiel ein Familiensystem gestellt, wählt der Betroffene stellvertretend für die relevanten Familienmitglieder jeweils einen Vertreter aus der Runde aus und positioniert sie. Auch für sich selbst wählt er einen Stellvertreter, der dann zu den anderen Familienmitgliedern in einen räumlichen Bezug gestellt wird. Die Aufstellung muss der Betroffene intuitiv vornehmen, damit er seine eigene unbewusste Vorstellung vom System räumlich darstellen kann.
Anhand dieser ersten Aufstellung werden meist schon wichtige Erkenntnisse gewonnen: Wo im Raum hat der Betroffene sich selbst aufgestellt? Steht er nah bei seiner Familie oder eher getrennt von ihnen? In welche Richtung schaut er?
Die Stellvertreter können dann aus ihrer Position heraus Gefühle und Gedanken entwickeln, die meist den repräsentierten Personen entsprechen. Der Betroffene kann das Geschehen aus einer distanzierten Position heraus beobachten, was dazu führt, dass er Verstrickungen erkennt und alternative Lösungswege erarbeitet werden können.

Wie funktioniert diese Art der therapeutischen Arbeit?

Mit der Entdeckung des Konzepts der „Spiegelneuronen“ hat das Forscherteam um Giacomo Rizzolatti und Vittorio Gallese 1992 etwas bestätigt, was in psychotherapeutischen Ansätzen schon lange als methodisches Instrument genutzt wird. Wer kennt das nicht, wenn sich beim Füttern eines Babys der eigene Mund automatisch öffnet, wir zusammenzucken, wenn sich der Nachbar den Kopf stößt oder wir vom Gähnen unseres Gegenübers angesteckt werden. Einfach ausgedrückt haben die Neurowissenschaften bestätigt, dass „Spiegelneuronen“ das Verhalten des Gegenübers spiegeln, so als wären wir selbst in dieser Situation. Diese Übertragung von Gefühlen und unbewussten Haltungen nutzt u.a. auch die therapeutische Methode der Aufstellungen, um unbewusste Strukturen sichtbar und erfahrbar zu machen.

Einen interessanten Gedanken möchte ich Ihnen ganz persönlich an dieser Stelle noch mitgeben: Gedanken erzeugen Gefühle, Gefühle bestimmen das Handeln, das Handeln bestimmt die Persönlichkeit, die Persönlichkeit beeinflusst das Leben, das man führt. Möchte man also an seinem Leben etwas ändern, sollte man mit positiven Gedanken anfangen. Ich zumindest stand dieser Therapieform in der Vergangenheit eher skeptisch gegenüber und habe deshalb selbst an einer Aufstellung teilgenommen. Eines weiß ich jetzt: Es funktioniert tatsächlich.

BSW-Gesprächskreise

Die Stiftung BSW bietet jeweils einmal im Monat an verschiedenen Standorten offene Gesprächskreise an, bei denen unter Anderem mit systemischen Aufstellungen gearbeitet wird. Unter professioneller Leitung können persönliche Anliegen und Fragen zu belastenden Lebenssituationen angesprochen werden. Die Teilnahme an den Gesprächskreisen und ein offener Umgang mit Problemen haben positive Folgen auf die Lebenssituation, bringen mehr Klarheit und neue Perspektiven. Die Gesprächskreise können auch als Basis zur gegenseitigen Unterstützung und zum Austausch dienen, so können neue Netzwerke entstehen.
Interesse? Dann rufen Sie uns an: 0800 0600 0800 (gebührenfrei).

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