„Chance plus-Teilnehmer“ im Gespräch mit Integration Schiene

2018-05-25

Mit dabei: Arash Z., Abdul Y., Said M.

Integration Schiene: Schön, dass Ihr uns ein wenig über Euch berichten wollt. Ihr macht eine Einstiegsqualifizierung (EQ) im Rahmen des „Chance-plus-Programms“ (ZukunftPlus e.V.) bei der Deutschen Bahn AG. Arash, Du kommst aus dem Iran, Abdul Du aus Afghanistan, und Du, Said aus Syrien, und Ihr macht eine Einstiegsqualifizierung EQ zum Elektroniker für Betriebstechnik bei DB Netz und der S-Bahn in Hamburg. Ihr hattet zum Teil schon Eure Vorstellungsgespräche für die Ausbildung bei der Deutschen Bahn. Erst einmal herzlichen Glückwunsch dazu!

Integration Schiene: Was gefällt Euch an Deutschland besonders gut?
Arash Z.: Ich finde es immer schön, dass Deutschland von Gesetzen beherrscht ist. Allerdings nicht immer aber insgesamt es ist in Deutschland besser als in vielen anderen Ländern.
Abdul Y.: Die Organisation, die ich besonders bei der Deutschen Bahn gefunden habe.
Said M.: Mir gefällt an Deutschland, dass ich mich hier frei bewegen kann, mir gefallen auch die Regeln hier besonders gut und die Gastfreundlichkeit vieler Menschen.

Integration Schiene: Was läuft nicht gut?
Arash Z.: Was in Deutschland nicht schön ist, ist, dass viele Deutsche die ausländischen Mitbürger mit dem Wort Flüchtling bezeichnen, ohne zu denken, dass das Wort automatisch eine posttraumatische Belastungsstörung für die ausländischen Mitbürger bringt.
Also da wäre es nett, wenn man uns vielleicht mit einem anderen Begriff bezeichnet.
Gerade mir fällt keine Alternative für das Wort auf. Aber vielleicht passt Migranten als eine Alternative. Oder ausländische Mitbürger.

Abdul Y.: Bei mir läuft nicht so gut, dass ich Begriffe oder Wörter vergesse. Aber wenn ich die Wörter wiederhole, lerne ich sie schnell.

Said M.: Mit den Behörden ist es schwierig, besonders im Asylverfahren. Am Anfang der Berufsschule haben wir kaum Unterricht gehabt, jetzt ist es besser. Aber viele Schüler sind sehr unruhig und laut. Dann kann man nicht gut lernen.

Integration Schiene: Was macht Euch an der EQ am meisten Spaß?
Arash Z.: Das Fachtraining und die Workshops.

Abdul Y.: Ich habe beim Fachtraining in Ohlsdorf Spaß gehabt. Das heißt nicht, dass ich kein Spaß bei den anderen Teilen der EQ gehabt habe. Überhaupt nicht, sondern, weil ich hier das Gefühl bekommen habe, dass ich zu diesen Beruf gehöre.
Said M.: Viel Spaß hat mir das Kommunikationstraining gemacht. Wenn wir etwas Neues lernen, macht das auch Spaß, z.B. in den verschiedenen Trainings.

Integration Schiene: Was macht Ihr in Eurer Freizeit?
Abdul Y.: In meiner freien Zeit gehe ich ins Fitnessstudio und ab und zu ins Schwimmbad.
Arash Z.: Ich spiele Musik oder mache Sport.
Said M.: Ich spiele gerne Cricket und Volleyball. Ich treffe mich mit meinen Freunden und spiele gern Karten.

Integration Schiene: Nun seid Ihr ja seit letztem November gemeinsam mit den BSW-Soziallotsen unterwegs, und seid eine ganz gemischte Gruppe. Welche Erfahrung habt ihr bereits mit den BSW-Soziallotsen gemacht? (Anm.: BSW-Soziallotsen sind Ehrenamtliche, die im Alltag Unterstützung für die Kollegen mit Fluchthintergrund bieten)
Arash Z.: Es ist zu lang zu erzählen aber bin sehr dankbar besonders von Edwin (Soziallotse Edwin Matthiesen, Bahner). Er hat mein Gerichtsverfahren in einem sehr komplizierten Fall gestoppt.

Abdul Y.: Unterstützung haben wir durch Frau Dutz (Rebecca Dutz, Geschäftsstellenleiterin Nord
ZukunftPlus e.V., Sozialarbeiterin) von ZukunftPlus gekriegt, sie war rund um die Uhr für uns da und hat uns so viel beraten und vorbereitet.

Said M.: Die BSW-Soziallotsen haben uns viel über die Deutsche Bahn erzählt und über ihre Berufstätigkeit.

Integration Schiene: Wie konnten sie Euch bisher unterstützen?
Arash Z.: Es ist zu lang zu erzählen. ;-)
Said M.: Sie helfen uns beim Deutschlernen.

Integration Schiene: Welche Erfahrung möchtet Ihr gerne mit anderen teilen?
Abdul Y.: Die Erfahrung, die ich gern mit anderen teilen möchte , ist, dass ich den anderen zeige, wie wir an der Schienen arbeiten, wie wir die Signale aufbauen, und am Ende probieren wir das aus, ob die Signale richtig funktioniert oder nicht.
Said M.: Wenn jemand „Chance plus“ machen will, muss er handwerklich begabt sein und bereit sein, Mathe zu lernen.

Integration Schiene: Was sind Eure Wünsche für die Zukunft?
Abdul Y.: Dass ich mich immer weiterbilde.
Said M.: Mein Wunsch ist, eine Ausbildung zu bekommen und danach bei der Deutschen Bahn arbeiten zu können.

Integration Schiene: Was möchtet Ihr anderen mitgeben auf dem Weg für ein Leben in Deutschland?
Abdul Y.: Dass die anderen die deutsche Kultur richtig verstehen und sich in der Gesellschaft engagieren.
Said M.: Es ist ganz wichtig gut Deutsch zu lernen und ein Ziel zu haben. Wer kein Ziel hat, kann kein Ziel erreichen. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind ganz wichtig. Respekt gegenüber anderen Menschen ist wichtig.
Insch: Das ist eigentlich ein schöner Abschluss, Said! Aber eine Frage noch: Was könnt Ihr voneinander lernen (Ihr Schüler und die BSW-Soziallotsen)?
Abdul Y.: Jeder von uns hat verschiedene Erfahrungen, so dass wir unsere Erfahrung austauschen können.
Said M.: Was ich in meinem Gehirn habe, das gebe ich einem anderen, und er gibt mir, was er im Gehirn hat.

Integration Schiene: Arash, Said und Abdul, wir danken Euch für das Gespräch und Eure Offenheit. Danke, dass Ihr uns von Euch erzählt habt und etwas von Eurer Erfahrung geteilt habt. Wir sind gespannt, wie Euer Weg weitergeht und hoffen, dass die BSW-Soziallotsen und Ihr Seite an Seite auch durch die Ausbildung geht. Haltet uns auf dem Laufenden und alles Gute!

Kontakt

Bei Fragen zum Lotsenprogramm von Integration Schiene sprechen Sie uns gerne an: Tel. 069 809076 288 oder erfahren Sie mehr auf unserer Website www.integration-schiene.de.
Kontakte unserer Projektpartner: ZukunftPlus e.V.: Christoph Seese, christoph.seese@zukunftplus.org
Deutsche Bahn AG (Chance plus-Programm): Ulrike Stodt, Ulrike.Stodt@deutschebahn.com