„Ich muss mir nicht jeden Schuh anziehen“

2017-11-16

Die Anforderungen im Berufsleben steigen: Ständige Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung und ein hohes Maß an Flexibilität machen Stress laut Weltgesundheitsorganisation zur größten Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts. Wenn private Krisensituationen mit dem Partner, der Familie oder den Kindern hinzukommen, kann die Belastung die eigenen Kräfte schnell übersteigen. Eine Bahnbeschäftigte, die anonym bleiben möchte, war in einer solchen Notlage und erzählt, wie sie beim Psychologisch-Therapeutischen Fachdienst des BSW Hilfe fand.

„Als ich mich vor etwa fünf Jahren von meinem Mann trennte, machte ich eine schwere Zeit durch, in der ich unter einer starken Depression litt. Ich suchte damals verzweifelt nach Unterstützung, doch einen Psychotherapeuten zu finden, war nicht einfach. Bis meine Behandlung endlich begann, vergingen ganze drei Monate. Obwohl das noch vergleichsweise schnell ging, fühlte es sich für mich an wie eine Ewigkeit. Die Therapie half mir, nach und nach wieder Tritt zu fassen, und schließlich kam ich wieder gut zurecht. Vor einiger Zeit jedoch begegnete ich meinem Exmann auf der Hochzeit unseres gemeinsamen Sohnes wieder. Dadurch brachen alte Schuldgefühle wieder hervor und ich fiel zurück in die Depression. Zur Arbeit schleppte ich mich nur noch mit Mühe und schnell kam ich mit der Situation alleine nicht mehr zurecht.

fotolia_177811074_l-600x540-q92

Ein Kollege erkannte meine Lage und vertraute mir an, dass er selbst einmal in einer ähnlichen Situation war. Er hatte sich damals an das BSW gewandt und hatte mit dem Psychologisch-Therapeutischen Fachdienst der Stiftung gute Erfahrungen gemacht. Daraufhin schrieb ich eine E-Mail ans BSW und innerhalb einer Woche hatte ich einen Termin. Ganz unbürokratisch und schnell! Bei dem Therapeuten fühlte ich mich schnell in guten Händen und gewann in kurzer Zeit das nötige Vertrauen. Die Gespräche mit ihm bewirkten, dass ich meine Gefühlswelt aus einem anderen Blickwinkel betrachtete.
Gemeinsam fanden wir heraus, dass die Wurzeln meiner anhaltenden Schuldgefühle in meinen Kindheitserfahrungen liegen. Gerade wenn es Menschen, die mir wichtig sind, nicht gut geht, fühle ich mich wie gelähmt – selbst wenn ich mich über sie ärgere. Dann ist es wichtig, dass ich meine Gefühle ernst nehme und darüber spreche. Enttäuschung, Ärger oder Frust herunterzuschlucken ist keine Lösung. Ich habe auch begriffen, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn es um die Erfüllung meiner eigenen Bedürfnisse und Wünsche geht. Das gehört zu einem glücklichen Leben einfach dazu – auch wenn das natürlich nicht heißt, dass jeder Wunsch erfüllt und jeder Plan in die Tat umgesetzt werden muss. Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass ich mir nicht jeden Schuh anziehen muss. Das gilt rückwirkend für meine Ehe, aber auch für künftige Konfliktsituationen. Mit diesen neuen Einsichten haben sich meine Schuldgefühle schnell gebessert und ich sehe wieder optimistisch in die Zukunft.“

Fühlen Sie sich ausgebrannt oder niedergeschlagen? Die Sozialarbeiter und Therapeuten der Stiftung BSW bieten Ihnen eine lösungsorientierte Beratung und Begleitung. Rufen Sie uns einfach an oder schicken Sie uns eine E-Mail. Telefon: 0800 0600 0800 (Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr). E-Mail: sozialberatung@bsw24.de