Was ist Stress?

2017-04-10

Fachartikel von Martina Menzel, systemische Therapeutin im BSW

Etwa 23 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig gestresst. Das heißt, dass knapp 19 Millionen Menschen niemals ganz abschalten können. Fast genauso viele haben schon einmal so extremen Stress erlebt, dass sie ihn alleine nicht mehr bewältigen konnten.
Dauerhafter Stress kann zu psychischen Erkrankungen wie Depression oder Burnout führen. Warum wir uns gestresst fühlen, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Meist liegen sie im Arbeitsumfeld oder werden durch Konfliktsituationen, insbesondere im privaten Umfeld, hervorgerufen. Doch was ist Stress eigentlich?

Schon das Wort Stress verursacht Stress

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Materialprüfung und meint die Anspannung und Verzerrung von Metallen. Der Mediziner Hans Selye verwendete den Begriff in den 1930er-Jahren erstmals in der Psychologie und bezeichnete damit jede Belastung, Anstrengung und jedes Ärgernis, denen ein Lebewesen täglich ausgesetzt ist.
Heute verwenden wir das Wort Stress oft für alles, was mit einer gewissen Anstrengung verbunden ist: Einen normalen Arbeitstag, das Einkaufen von Lebensmitteln, vielleicht sogar ein Treffen mit Freunden nennen wir stressig, ohne viel darüber nachzudenken.
Allein der unbedachte Gebrauch des meist negativ besetzten Wortes erzeugt ein Gefühl unangenehmer innerer Anspannung und macht normale Alltagssituationen zu überfordernden Belastungen. Die Folge ist oft, dass wir uns selbst in eine Erschöpfung hineinreden. Durch unsere Bewertung erzeugen wir das, was wir befürchten. Manchmal ist der Satz: „Ich bin total im Stress“ aber auch ein Statussymbol, das auf die eigene Wichtigkeit und Unersetzlichkeit hinweisen soll.

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Stress als Herausforderung

Sinnvoll ist daher eine enger gefasste Definition: Stress entsteht durch eine (meist unangenehme) Anforderung, die wir mit unseren Fähigkeiten nicht bewältigen können, die uns bedroht und überfordert. In solchen Situationen ist es ratsam und sinnvoll, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Der Begriff sollte also mit Bedacht verwendet werden und nur dann, wenn es – so objektiv wie möglich betrachtet – auch so ist. Bezeichnet man eine an sich nicht-stressige Situation beispielsweise als „interessante Herausforderung“ verändert man meist auch die eigene Haltung dazu.

Unterscheidung ist wichtig

Diese Differenzierung ist keine Wortklauberei: Für eine gesundheitsfördernde Lebensweise ist es sehr wichtig, zwischen negativer Stressbelastung und interessanter Herausforderung zu unterscheiden. Nur so können wir das eine in das andere verwandeln oder uns umgekehrt davor bewahren, schädigenden Stress schön zu reden.
Akuter Stress muss nicht immer schädlich sein. Ganz im Gegenteil: Er kann sogar neuen Schwung in unser Leben bringen. Stress fördert das Lernen und die Entwicklung – und dies vor allem dann, wenn wir eine Stress-Situation als positive Herausforderung wahrnehmen, an der wir reifen können.
Im Gegensatz dazu kann chronische Stressbelastung ohne ausreichende Erholungsphase unsere Gesundheit erheblich bedrohen. In der Folge kann auch unsere Arbeitsleistung beeinträchtigt werden. Nicht selten führt dies dann etwa zu Depressionen, weil die gesteckten Ziele innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht erreicht werden.

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Verantwortung übernehmen

Lösungsorientierte Stressbewältigung packt das Problem bei der Wurzel und wirkt nachhaltig – sie ist daher grundsätzlich einem bloßen Verdrängen vorzuziehen. Allerdings gibt es nicht immer eine schnelle Lösung oder diese erscheint einem nicht umsetzbar. Dann ist es gut, ein soziales Netzwerk zu haben, das bei der Lösungsfindung unterstützt. Professionelle Hilfe bietet zusätzlich die Möglichkeit, die eigene Situation mit einem Blick von außen auf einer neutralen Ebene zu betrachten.
Wer über ein breites Spektrum an Stressbewältigungsstrategien verfügt und diese bei Bedarf flexibel einsetzen kann, hat alle Chancen, ungesunden Stress in eigener Verantwortung zu vermeiden – und zwar ganz individuell: Der eine erholt sich eher in der Sauna, während sich der andere sportlich auspowern muss, um Anspannung abzubauen. Das kann jeder für sich selbst herausfinden.
Finden Betroffene nicht selbst aus einer akuten und anhaltenden Stressspirale heraus, sollten sie therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Systemisch-therapeutische Methoden helfen dabei, den Blick für notwendige Veränderungen zu entwickeln.

Fühlen Sie sich dauerhaft gestresst und wissen nicht, wie Sie Ihre Situation entspannen können? Unsere Sozialarbeiter und Therapeuten bieten Ihnen eine lösungsorientierte Beratung und Begleitung. Kontakt: Telefon: 0800 0600 0800, E-Mail: sozialberatung@bsw24.de

Stopp mal-Seminare - Hilfe bei Stress und Eskalation im Berufsalltag

Wenn Ihre Kraft für die Bewältigung des täglichen Berufsstresses immer weniger wird, die nötige Gelassenheit und Distanz verloren geht oder auch zunehmende Eskalationen im Kundenkontakt das Gefühl der Hilflosigkeit erzeugen, dann ist Hilfe und guter Rat teuer. Eben nicht!
Mit dem Seminar „Stopp mal!“ bieten Stiftung Bahn-Sozialwerk, Fonds soziale Sicherung und der Verband Deutscher Eisenbahner-Sportvereine die Möglichkeit der fachlichen Orientierungshilfe zum Umgang mit Stress und zur Bewältigung des persönlichen Stresserlebens.

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