Wie Schlafmangel der Gesundheit schadet

2017-01-18

Schon eine Woche mit zu wenig Schlaf stört die innere Uhr und verändert in uns die Aktivität Hunderter von Genen.

Eine jüngst veröffentlichte Studie liefert neue Erkenntnisansätze für die schädlichen Auswirkungen von Schlafmangel auf die Gesundheit.
Von Schlafmangel spricht man bei Erwachsenen bei weniger als sechs Stunden Schlaf in der Nacht. Verschiedene Studien zeigen, dass zu wenig Schlaf nicht nur die Aufmerksamkeit herabsetzt und Wahrnehmung und klares Denken beeinträchtigt. Schlafmangel begünstigt auch Fettleibigkeit (Adipositas) und die Zuckerkrankheit Typ-2- Diabetes. Welche Störungen der natürlichen Vorgänge im Körper oder des Hormonsystems hierfür verantwortlich sind, wird derzeit aber erst in Ansätzen verstanden.

Wissenschaftler der britischen University of Surrey in Guildford haben deshalb die Auswirkungen eines einwöchigen Schlafmangels auf die Aktivität von Genen in Blutzellen untersucht. Für die Studie wurde die Bettzeit von 26 Männern und Frauen auf 5,7 Stunden Schlaf verkürzt. Zur Gegenkontrolle mussten sie mindestens zehn Stunden pro Nacht im Bett verbringen. Dabei schliefen sie im Durchschnitt 8,5 Stunden. Die fehlenden zwei bis drei Stunden hatten am Ende der Woche den nächtlichen Melatoningipfel verschoben, klares Zeichen für eine Störung der inneren Uhr. Melatonin ist das Hormon, das den Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. Die Probeschläfer waren nicht ausgeschlafen und die Qualität ihrer Wachheit war vermindert. Die Auswirkungen auf das Gesamtsystem aller in den Zellen aktivierten Gene waren tiefgreifend. Die Forscher registrierten Veränderungen bei 711 Genen. Die Zahl der Gene, die tageszeitlichen Schwankungen unterliegen, war von 1.855 auf 1.481 vermindert.

Auch die natürliche Abwehrkraft gegen freie Radikale leidet bei Schlafmangel. Freie Radikale sind schädliche Stoffe, die sich in unserem Körper aus unserer Atemluft entwickeln, die unser Organismus aber in der Regel erfolgreich bekämpfen kann. Neben Abwehrkräften leiden auch unsere Stoffwechselwege. Schlafmangel fördert auch Entzündungs- und Immunreaktionen, denen Einfluss auf die Entstehung chronischer Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes mellitus und Gefäßkrankheiten zugeschrieben wird. Wie genau Schlafmangel zur Entstehung der Erkrankungen beiträgt, können die Forscher allerdings nicht sagen. Ihre Erkenntnisse lassen derzeit also auch keine Ansätze für Therapien erkennen. So bleibt mir nur der allgemeine Ratschlag: Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung des Schlafes für die Gesundheit und gönnen Sie ihrem Körper und damit auch ihrer Seele jede Nacht ausreichende Ruhe.