„Mir kamen die Tränen vor Glück“

2017-10-25

„Henry hat gestrahlt und war so stolz."

Nach einer schwierigen Zeit stand das Jahr 2017 für Familie Timm unter einem guten Stern: Tochter Lotte kam gesund zur Welt, Sohn Henry besuchte eine ganz normale Regelschule, und mithilfe der Stiftungen BSW und EWH sowie anderer Unterstützer konnten die Timms das behindertengerecht umgebaute Auto anschaffen, das sie so dringend brauchten. Die beste Nachricht kam zum Schluss: Seit Kurzem gibt es in Deutschland ein Medikament, das die erblich bedingte, fortschreitende Muskelschwäche des siebenjährigen Henry aufhalten kann.

„Er ist ja geistig voll da.“

2016 haben die Stiftungen die Familie beim Kauf eines Rollfiets, einer Kombination von Rollstuhl und Fahrrad, sowie beim Einbau einer Rollstuhlrampe unterstützt, damit Henry trotz seiner eingeschränkten Motorik so aktiv wie möglich am Alltag teilhaben kann, in der Schule wie zu Hause. „Wir waren so dankbar und froh, dass uns die Stiftungen damals unter die Arme gegriffen haben“, sagt Familienvater Sven. „Henry ist ein ganz normaler Schüler – er ist ja geistig voll da – und jetzt kann er sogar beim Sport mitmachen.“

Durch die Rampe konnte sich Henry endlich wieder etwas freier bewegen, doch der Transport des 160 Kilogramm schweren Elektrorollstuhls stellte ein echtes Problem dar. „Außerdem war da schon Lotte unterwegs und Henry wird auch nicht gerade leichter“, erzählt Mutter Ninette Fritsch-Timm. „Es war klar, dass wir über kurz oder lang ein Auto brauchen würden, das an Henrys Bedürfnisse angepasst ist und in das er auch alleine reinkommt – und wieder raus.“

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„Ein Brief hatte 21 Seiten.“

Eine solche Investition überstieg jedoch bei Weitem die Mittel des Triebfahrzeugführers und der Teilzeitarzthelferin. Auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten stieß die Mutter auf den Verein „Mobil mit Behinderung“, der darauf spezialisiert ist, Behinderte und ihre Familien bei der Suche nach Beihilfen für mobilitätserhaltende Maßnahmen zu unterstützen – also genau solche Fälle wie den der Timms. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Vereins beriet die Familie und half, Anträge an verschiedene Organisationen und Stiftungen zusammenzustellen. „So ein Brief hatte 21 Seiten: Anschreiben, Gehaltsabrechnungen, Berichte von Henrys Ärzten, Bestätigungen von der Krankenkasse, Kostenvoranschläge vom Autohaus, vom behindertengerechten Umbau und so weiter“, erinnert sich die 42-Jährige. „Man muss schon sehr viel von sich preisgeben – aber ich sagte mir, was haben wir schon zu verlieren?“

„Das Geld vom BSW ist da!“

Fast 600 Euro an Briefpapier, Druckerpatronen, Umschlägen und Porto sowie jede Menge Zeit hat die Familie investiert, um mehrere Dutzend Institutionen um Unterstützung zu bitten. „Manche haben sogar noch Kontoauszüge von uns angefordert. Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, dass viel dabei herumkommt“, sagt Sven Timm. Doch schon wenige Wochen nachdem die Briefe verschickt waren, gab es die ersten positiven Rückmeldungen – auch von BSW und EWH. Die ersten Überweisungen ließen ebenfalls nicht lange auf sich warten. „Kurz vor Lottes Geburt war ich mit Vorwehen im Krankenhaus, als Sven anrief und fragte: ‚Liegst du?‘“, erinnert sich Ninette Fritsch-Timm. „Dann rückte er mit der frohen Botschaft heraus: ‚Das Geld vom BSW ist da!‘“ Mit der Unterstützung von BSW und EWH war die Finanzierung des Autos endlich komplett und entsprechend erleichtert waren die Timms.

„Mir kamen die Tränen vor Glück.“

Im Mai 2017 wurde das behindertengerecht umgebaute Auto mit genügend Platz für den Elektrorollstuhl, den normalen Rollstuhl und den Kinderwagen der kleinen Lotte geliefert. Den Moment, in dem Henry zum ersten Mal ganz allein mit dem Rollstuhl in „sein“ Auto fuhr, hielt die Mutter in einem Video fest: „Das ist ganz verwackelt, weil meine Hände furchtbar gezittert haben. Henry hat gestrahlt und war so stolz – mir kamen die Tränen vor Glück.“

Im Alltag haben es die Timms nun deutlich leichter. „Wir möchten allen Mitarbeitern sowie allen Förderern und Spendern der Stiftungen ganz herzlich danken“, betont Sven Timm. Eine aufregende Nachricht stellt jedoch zurzeit alles in den Schatten: Kürzlich ist in Deutschland ein Medikament zugelassen worden, das gegen Henrys Krankheitsbild helfen könnte. Die Krankenkasse hat die Behandlung bereits genehmigt, und die Familie hat nun allen Grund zur Hoffnung, dass das Fortschreiten von Henrys Muskelschwäche aufgehalten werden kann. Den Blick fest auf die Zukunft gerichtet hat Henry in jedem Fall.

Die Stiftungen BSW und EWH haben die Anschaffung und den behindertengerechten Umbau eines Pkws bezuschusst.